Beerdigung von Stefan König

Jesus spricht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ (Joh 14,9)

Gestern war ich auf der Beerdigung von Stefan. Seit dem geht mir die Jahreslosung 2008 nicht mehr aus dem Kopf.

Ich selber empfing die Schock-Nachricht vom Tod Stefans per SMS auf einer Fahrradtour am Rhein mit der Familie. Was der Todesnachricht folgte, war eine sehr intensive Woche des Nachdenkens, Betens und Miteinander-Redens. Die Trauer um den heftigen Verlust mischte sich mit der Gewissheit, dass Stefan jetzt bei Jesus ist, und umgekehrt.

Was im Leben taugt – das zeigt sich am deutlichsten dort, wo es an die Grenzen des Lebens geht. Und gestern wurde mir durch das Leben von Stefan, seine Beerdigung und die Jahreslosung neu deutlich, was taugt und was eben nicht taugt.

Dankbar leben

„Was hätte ich mit Stefan noch alles erleben können, wenn er nicht verunglückt wäre?“ – schnell kam bei mir diese anklagende Frage auf. Wir hatten noch so manche kreative Idee für die Zukunft im Auge. Und was hatte er noch alles für Pläne – mit seiner Freundin Kathrin, mit anderen Freunden oder nach Beendigung seines Studiums im nächsten Jahr! So berechtigt diese Gedanken sind, so verstellen sie den Blick für die Zeit, die wir mit Stefan haben durften. Als Jugendlichen habe ich Stefan kennen gelernt. Die beiden letzten Jahre war ich mit ihm in einem Hauskreis und wir spielten wöchentlich gemeinsam Fußball. Ich war sehr glücklich, mit Stefan in einem CVJM leben zu dürfen. Seine angenehm zurückhaltend-besonnene Art und sein vom Vertrauen auf Gott geprägter Lebensstil faszinierten mich immer wieder. Keine Stunde mit ihm möchte ich missen. Für jedes Erlebnis und jede Begegnung mit ihm will ich (und kann ich auch) dankbar sein. Und ich bin mir sicher, wenn Stefan mir aus dem Himmel etwas zuflüstern könnte, dass er dies genauso so haben wollte.

Und so wird diese Erfahrung eine generelle Aussage über das, was im Leben taugt. Über verpasste Chancen im Leben zu lamentieren und sich vergrämt zurück zu ziehen, taugt nicht. Selbst in schwierigsten Situationen des Lebens das im Blick zu behalten, wo ich Gott für danken kann, das taugt.

Intensiv leben

Stefan lebte eine Mischung aus wohl überlegten, konzentriertem Einsatz und entspanntem Genießen. Stefan sagte nie schnell „Ja“ oder „Nein“, wenn ich ihn wegen einer Verantwortlichkeit anfragte. Sondern er nahm sich immer Zeit, um zu überlegen und dann zu entscheiden. Gut durchdacht übernahm er so z.B. die Leitung des Kinderbereiches und brachte sich dann voll ein. Diese selbstbewusst-verbindliche Art von Stefan tat allen, die mit ihm zusammen gelebt haben, sehr gut.

Neben seinem Engagement im Studium und im CVJM wusste er aber auch immer darum, dass er dazu einen Ausgleich benötigt. Und dies ganzheitlich. Er hatte viel Spaß dran, sich körperlich beim Fußball oder in der Natur beim Wandern und Klettern auszutoben. Ihm waren Menschen sehr wichtig, Zeit miteinander zu haben, etwas gemeinsam zu unternehmen. Ihm waren aber auch die Zeiten wichtig, wo er sich für sich selbst zurück gezogen hat. Und in allem war ihm klar, dass er Zeit braucht, um seine Beziehung mit Gott zu leben und zu vertiefen.

Dafür, dass Stefan sich schon mit 25 so reif selbst organisieren konnte, bewunderte ich ihn immer wieder. Stefan hat intensiv gelebt. D.h. nicht, dass er einfach alles mitgenommen hat, was heute oft unter „intensiv leben“ verstanden wird. Nein, er hat im Vertrauen auf Gott sein Leben gestaltet – ein Vorbild im besten Sinne.

Im Leben wie im Sterben zu Christus gehören

Kein noch so gut gemeinter frommer Satz kann den Schmerz, den der Tod von Stefan auslöst, wegwischen. Deswegen bin ich auch kein Freund von Sprüchen, mit denen man die Trauer übertünchen will. Trauer hat ihren Platz und wenn nicht hier, dann bitte wo sonst?

Und trotzdem ist es mitten in der Trauer angebracht, daran zu erinnern – und das gehört dann eben zur Trauer mit dazu – dass Jesus Christus, auf den wir, auf den Stefan fest vertraut hat, gestorben und auferweckt worden ist. Und dass dies ein berechtigter Grund für die Hoffnung ist, dass Stefan nicht nur gestorben, sondern heim gegangen ist. Das wischt den Schmerz nicht weg, sondern öffnet meinen Blick für eine größere Wirklichkeit – nämlich für die, dass wir als Glaubende im Leben wie im Sterben zu Christus gehören. Oder wie Jesus es selbst ausgedrückt hat: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Den Satz, den uns Stefan – weil er mit Jesus verbunden ist – jetzt auch zuruft.

Liebe Grüße

Michael

Den Nachruf findet ihr hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.