Fernsehtipp: TV-Doku „Wadim“ – Wenn Behörden ein Leben zerstören

Ein freundlicher und fröhlicher Mann tötet sich selbst – mit 23 Jahren. Wie es dazu kam, zeigt die NDR-Doku „Wadim“ in allen erschütternden Details. Die gnadenlose Abschiebepraxis deutscher Behörden hat den in Deutschland aufgewachsenen Letten in die Verzweiflung getrieben.

„Da hinten ist die Elbe“, sagt eine Stimme mit norddeutschem Einschlag aus dem Off. „Das ist mein Vadder – sag hallo!“ Der Vater winkt in die Kamera. „Das ist Hamburg-Hafen, da hinten sind die Landungsbrücken, die ganzen Schiffe, Altona-Fischmarkt.“ Dann sehen wir den Kameramann selbst: Wadim, Protagonist des Dokumentarfilms, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im NDR läuft, steht an der Waterkant und weist auf das Hafenpanorama hinter sich. Er hat ein fröhliches Gesicht, raspelkurze Haare und wirkt, als wolle er der Welt mit dem Privatvideo zeigen, dass die Zukunft ihm gehört. Und dass sie hier stattfinden wird, in Hamburg.

Tatsächlich ist diese Stadt, seine Heimat, sein frühes Grab. Am 20. Januar 2010 gegen 22 Uhr stellt sich Wadim auf die Gleise der S-Bahnline 3 zwischen Altona und Harburg und wartet auf seinen Tod. Als er stirbt, ist er 23 Jahre alt, hat eine langjährige Abschiebe-Odyssee hinter sich und keine Hoffnung mehr auf eine Zukunft in dem Land, in dem er aufgewachsen ist. Er hinterlässt einen Bruder – der in dem Film nicht auftauchen mochte – und zwei Eltern. […]

–> Die Doku läuft auf NDR, am Mittwoch, 14. Dezember 2011, um 0 Uhr
–> Zum ganzen Artikel bei Spiegel online
–> Programminformationen beim NDR
–> NDR Kulturjournal über den Film

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