Christival – persoenliche Stellungnahme zur aktuellen Kontroverse

Ich selbst leite auf dem Christival ein Festival und verantworte ein Seminar und habe deswegen natürlich die bundesweite Diskussion angespannt mitbeobachtet.

Folgende persönliche Bemerkungen zu dieser Diskussion:

  1. Volker Beck hat keinerlei Unternehmungen angestellt mit den Christival-Verantwortlichen oder den Seminarleitern im Vorfeld in Kontakt zu treten. Statt dessen ist er sofort aggressiv in die Öffentlichkeit gegangen, hat eine Absage des Seminars „Homosexualität verstehen und verändern“ gefordert und die Schirmherrin des Christivals Ursula von der Leyhen öffentlich an den Pranger gestellt und erpresst („wenn…dann…“). Das sind unfaire Methoden, die sonst fundamentalistischen Gruppen vorgeworfen werden, die Volker Beck hier angewendet hat: kein Dialog, Redeverbot, öffentlich an den Pranger stellen, Verzerrung durch billige Propaganda-Sprache („Homoheiler, fundamentalistischer Kongress“) – dies alles hilft nicht zum Verstehen der jeweiligen Positionen. Zudem fragen sich sicherlich viele junge Christival-Besucher, die sich in Jugendverbänden, Kirchengemeinden und in ihrem gesellschaftlichen Umfeld engagieren und eine eigene Meinung haben, warum sie sich nicht selbst ein Bild in diesem Seminar machen dürfen und ein Bundestagsabgeordneter Herr Beck sie bevormundet und das Seminar absagen lässt. Das ist Verbots-Pädagogik, die sonst strikt abgelehnt wird. Auch dies kann ich nicht nachvollziehen. Auch beim letzten Christival habe ich mit erlebt, wie Christival-Besucher sehr wohl mit unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema diskutiert haben.
    Nochmals: Eine kontroverse Diskussion zum Thema ist prima, doch nicht in diesem Stil.
  2. Es gilt unterschiedliche Erfahrungen zu respektieren und auszuhalten.
    a) Zum einen gibt es homosexuell orientierte Frauen und Männern, die ihre Sexualität in ihre Biographie affirmiert haben, diese leben und mit ihrem Gewissen vereinbaren können.
    b) Zum anderen gibt es aber auch homophil empfindende Menschen, die mit ihrer homosexuellen Orientierung nicht leben wollen, sich freien Willens einer Therapie unterzogen haben und heute glücklich in einer heterosexuellen Beziehung leben.
    Dass sich Menschen so oder so entscheiden, liegt in ihrer Freiheit begründet und das ist weder in die eine noch in die andere Richtung zu verbieten. Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass die Konvertierung in eine homosexuelle Lebensweise als Coming-Out gefeiert wird und eine Konvertierung in eine heterosexuelle Lebensweise als fundamentalistischer Skandal abgeklatscht wird.
  3. Sicherlich wurde über Jahrhunderte verkehrt mit homosexuell empfindenden Menschen umgegangen – quer durch die Gesellschaft incl. Kirche und das sicherlich von Teilen der Bevölkerung bis heute (z.B. schwul als Schimpfwort). Dem ist entschieden entgegen zu treten!
    Aber jetzt auf Rache an denen zu üben, die freien Willens eine heterosexuelle einer homosexuellen Lebensweise vorziehen, das ist für mich nicht nachzuvollziehen. Es grenzt schon an Absurdität, dass sich Menschen – wie die Seminarleiter auf dem Christival – die Veränderungen in sexueller Orientierung erlebt haben, sich öffentlich rechtfertigen müssen, dass sie das so erlebt haben und obendrein als Fundamentalisten abgestempelt werden.
  4. Wissenschaftlich verweise ich auf die ausführliche AEJ-Erklärung (Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend), die Darstellung von der Seminar-Verantwortlichen Dr. med. Christl Ruth Vonholdt, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin (Beck-Sprache: „fundamentalistische Heilungsscharlatane“), des Christivals und die Argumentation von Volker Beck selbst. Sich selbst ein Bild machen, ist immer das Beste.
  5. Homosexualität aus christlich-ethischer Sicht steht meines Erachtens in der unauflöslichen Spannung zwischen biblisch-theologischem Menschenbild und seelsorgerlicher Wirklichkeit. In geradezu verbrecherischer Kürze:
    a) Biblisch-theologisch muss man viel verbiegen, wenn man eine Zuordnung von Mann und Mann oder von Frau und Frau heraus lesen will. Von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel wird von einem sich durch Frau und Mann ergänzenden Menschenbild – incl. Ehe als guter Ordnung- ausgegangen. Andere exegetische Wege bei Ausschöpfung aller historisch-kritischen Argumente kann ich persönlich beim besten Willen nicht nachvollziehen.
    b) Seelsorgerlich ist aber andersherum klar, dass ein „das gibt es nicht“ oder „du darfst so nicht fühlen“ blanker Nonsens ist. Auch ist klar, dass in einer offenen Gesellschaft ausgehalten werden muss, dass Menschen sich für einen Lebensweg entscheiden, der ihnen entspricht und wenn das die homosexuelle Lebensform ist – okay. Dass Christen, die Homosexualität nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können und wollen – was aufgrund der biblisch-theologischen Sachlage meines Erachtens nachzuvollziehen ist -, eine Veränderung wünschen und sich auf eine Therapie einlassen, muss aber mit der gleichen Begründung ebenfalls respektiert werden. Und dass in der Seelsorge von vorneherein nur davon auszugehen ist, dass homophile Empfindungen nicht veränderbar sind, ist meines Erachtens ebenso verkehrt wie, dass alle homophilen Empfindungen zu verändern sind.
  6. Dass nach der Absage des Seminars jetzt noch ein weiteres Seminar des Christivals in Bezug auf Abtreibung unter Beschuss gekommen ist, legt nahe, dass mit allen Mitteln eigene politische Überzeugungen Anderen repressiv aufgedrückt werden sollen. Dies gilt es bei aller gern geführten offenen Diskussion klar und entschieden zurückzuweisen.

Und übrigens: nicht dass der Eindruck entsteht, der Christival sei ein rechts-konservativer Kongress. Viele Themen in den Seminaren behandeln auch klassisch links-liberale Themen wie Globalisierung und Ökologie.

Zum Schluss verweise ich auf den Dachverband des CVJM unter: http://www.cvjm.de/cvjm-gesamtverband/service/presse/cvjm-stellt-sich-hinter-christival/

Michael Götz, Leitender Sekretär im CVJM Nürnberg-Kornmarkt

10 Gedanken zu „Christival – persoenliche Stellungnahme zur aktuellen Kontroverse“

  1. Noch eine persoenliche Stellungnahme; ich schreibe,
    (1) weil ich aus Erlangen stamme und dort auch frueher in der evangelischen
    Jugend aktiv war, (2) weil ich in Nuernberg die damalige Regionalgruppe
    von „Homosexuelle und Kirche“ kennengelernt habe, die fuer mich
    wichtig war. Jetzt bin ich „Webmaster“ von „Homosexuelle und Kirche“
    (www.huk.org) auf Bundesebene.

    Sie werfen Volker Beck vor, nicht mit den Seminarleitern im
    Vorfeld in Kontakt getreten zu sein. Ich weiss nicht, was Volker Beck
    im Vorfeld getan hat. Ich weiss nur, dass eine Arbeitsgruppe der HuK
    („Evangelikale und Wir“) schon vor einem Jahr versucht hat, mit Frau Dr.
    Vonholt, der Leiterin der Institution, aus der die Referenten haetten kommen
    sollten, ins Gespraech zu kommen. Sie lehnte ab, weil sie es nicht fuer
    sinnvoll hielt und antwortete so etwas wie „Sie haben Ihre Meinung, ich
    habe meine Meinung; ein Gespraech hat keinen Zweck“.
    Ein anderes Beispiel: Ich selbst war einer von zwei Leuten, die im Oktober
    an einem Seminar „Homosexualitaet“ bei einem Kongress des Weissen Kreuzes
    teilnehmen wollten. Der Referent kam von „Wuestenstrom“,
    einer Organisation, die Hilfe bei der Ueberwindung von Homosexualitaet
    anbietet. Fuenf Tage vor Beginn wurde uns die Teilnahme untersagt,
    „nach Rücksprache mit den verantwortlichen Mitarbeitern von Wüstenstrom „,
    wie es hiess. In einem Leserbrief an Idea Spektrum hat Guenter Baum,
    Leiter von „Zischenraum“ (www.zwischenraum.net),
    geschrieben „Bisher hatten wir bei solchen Versuchen immer eine sehr
    ueberhebliche Absage erhalten.“ Frage: Wo gibt es denn da Dinge wie
    „kein Dialog, Redeverbot“?

    Hat Volker Beck wirklich ein Verbots des Christival oder auch nur dieses
    Seminars gefordert? Wenn ich seine Stellungnahmen genau lese, dann hat
    er beteuert, dass er genau dies nicht getan habe. Er hat allerdings kritisch
    gefragt, ob das Gewicht des Amtes der zustaendigen Ministerin und oeffentliche
    Gelder sinnvoll eingesetzt werden, wenn Theorien verbreitet werden,
    die die Mehrzahl der Fachleute und auch die Bundesregierung (siehe deren
    Antwort auf seine Anfrage) fuer unsinnig und sogar ueberwiegend schaedlich
    halten.

    Sie schreiben „Wissenschaftlich verweise ich auf …“. Wenn das, was Frau
    Dr. Vonholt verbreitet, eben wirklich Wissenschaft waere!
    Die kleine Gruppe von „Fachleuten“, die von sich behaupten, Wissenschaftler
    zu sein (Nicolosi, Van den Aardweg, Vonholt u.a.), sind eben
    in der Fachwelt nahezu bedeutungslos: Grosse Fachverbaende wie
    die amerikanische Psychiatrie-Vereinigung haben mit Recht
    1973 Homosexualitaet aus der Liste der Krankheiten gestrichen,
    und sie haben diesen Beschluss 1999/2000 noch einmal bekraeftigt.
    Die genannte Erklaerung der AEJ (Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugend)
    ist, was die Erfolgschancen von Konversionstherapien angeht, zu Recht viel
    vorsichtiger („… Wahrscheinlichkeit … eher gering“).

    Die Einseitigkeit, die nun anscheinend beklagt wird, war zu Beginn
    bei den Verantwortlichen des Christival vorhanden: Das strittige
    Seminar sollte die einzige Veranstaltung zu diesem Thema sein. Sowohl nach
    der Ankuendigung des Seminars als auch nach der Herkunft der Referenten
    sollte es nur in eine Richtigung gehen: Die zu unterstuetzen, die
    ihre homosexuellen Empfindungen aendern wollten, um es ganz neutral
    auszudruecken. Von „aushalten“, „in einer offenen Gesellschaft“ usw.
    war, soweit man es erkennen kann, nicht die Rede. Das DIJG kaempft seit
    Jahren z.B. gegen Versuche, eine rechtliche Benachteiligung von
    gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, z.B. im Steuerrecht, in der
    Personensorge usw. zu ueberwinden.

    Es waere schoen, wenn bei kuenftigen Christival-Veranstaltungen oder z.B.
    im CVJM Nuernberg auch denen ein Raum zur Vorstellung gegeben wird, die
    ihr Christsein und ihre Homosexualitaet nicht als Gegensatz sehen.
    Wie es so schoen heisst „Eine kontroverse Diskussion zum Thema ist prima“.
    Das meine ich auch.

    Reinhold Weicker, „Webmaster“ der Gruppe „Homosexuelle und Kirche“ (HuK),
    http://www.huk.org

  2. Lieber Reinhold Weicker,

    herzlichen Dank für Ihren Beitrag.

    Über den Vorgang zwischen Ihnen und Fr. Vonholt und der Anmeldung bei dem Seminar vom „Weissen Kreuz“ kann ich nichts sagen, da ich nur ihre Position zu den Vorgängen kenne. Doch unabhängig davon finde ich ihre Argumentation schwierig, mit diesen Vorfällen dass Verhalten von Volker Beck zu rechtfertigen – sprich: „Die haben nicht mit uns geredet, deswegen darf Hr. Beck auch ohne Rücksprache mit den Verantwortlichen des Christivals in der von mir geschilderten Art und Weise vorgehen.“ Da erwarte ich von einem Bundestagsabgeordneten doch eine andere Vorgehensweise.

    Ich habe an keiner Stelle in meiner Stellungnahme davon gesprochen, dass „Hr. Beck ein Verbot des Christivals“ angedroht hat. Dass er aber mit Begrifflichkeiten wie „fundamentalitisch, selbsternannte Homoheiler“ in der Öffentlichkeit auf propagandistische Weise solchen Druck erzeugt hat, dass eine Absage des Seminars unumgänglich war, ist m.E. nicht von der Hand zu weisen.

    Genau die Einseitigkeit, welche dem Christival vorgeworfen wird, wird doch selbst von Hr. Beck und von Ihnen bei der HuK durchwegs praktiziert. Denn umgekehrt gefragt: Würde es denn bei einer Veranstaltung der HuK oder der Grünen, neben einem Seminar zur Affimierung der Homosexualität auch eines geben, wo über eine mögliche Veränderbarkeit von homophilen Gefühlen gesprochen wird? Das habe ich mind. noch nicht erlebt. Und deswegen stehe ich auch nicht auf der Matte und rufe: „Fundamentalisten! Streichen sie den Grünen und der HuK bei ihren Seminaren alle staatlichen Gelder.“

    Auch dass sie einfach pauschal alle wissenschaftlich andere Meinungen als die Ihrige als pseudowissenschaftlich („eben wirklich Wissenschaft wäre“) abqualifizieren, macht ihre Vorgehensweise deutlich. Die aufgestellten Behauptungen stammen von m.E. glaubwürdigen Diplom-Psychologen und Ärzten. Mind. kenne ich Menschen, die aufgrund deren Theorie und Beratungspraxis eine Veränderung ihrer homophilen Gefühle erlebt haben und dies nicht als Druck, sondern als Befreiung erlebt haben. Dies gilt es zu respektieren.
    Genauso wie die andere Partei respektieren muss, dass Menschen solch eine Beratung nichts geholfen hat und sie auf anderem Weg mit ihrer Homosexualität umgehen müssen.

    Zu ihrer Bitte „Es wäre schön …“: Dieser Blog ist ein Zeichen dafür, dass bei uns im CVJM Nürnberg Raum zur Vorstellung anderer Positionen gegeben wird und eine kontroverse Diskussion erwünscht ist.
    Übrigens auf dem letzten Christival habe ich selbst kontroverse Diskussionen zum Thema „Homosexualität“ persönlich miterlebt, auch wenn die Christival-Veranstalter – wie sie selbst auch bei ihren eigenen Veranstaltungen – eine klare, profilierte Meinung vorgestellt haben.

    Liebe Grüße aus Ihrer alten Heimat

    Michael Götz

  3. Sehr geehrter Herr Götz,

    Sie schreiben, dass in einer offenen Gesellschaft ausgehalten werden müsse, dass Menschen sich für einen Lebensweg entscheiden, der ihnen entspricht – und wenn das die homosexuelle Lebensform ist. Wenn dies auch die Haltung des DIJG und von Frau Dr. Vonholdt wäre, dann spräche nichts gegen ein Seminar unter der Federführung von Frau Vonholdt oder deren Mitarbeitern.
    In die Kritik geriet nicht ein Seminar, das sich an „veränderungswillige“ Menschen richtet, sondern der Veranstalter dieses Seminars, der Homosexualität grundsätzlich als „Defizit“ , als „therapiebedürftige Störung“ und als „unvereinbar mit einer christlichen Lebensgrundhaltung“ ansieht. Mir ist das DIJG schon seit Jahren durch seine durch seine einseitige Haltung homosexuellen Christen gegenüber aufgefallen, denen ein „schlechtes Gewissen“ gemacht wird und sie damit Zuflucht zu einer „Therapie“ suchen lässt. Versuche, mit Frau Dr. Vonholdt in ein persönliches Gespräch hierüber zu kommen, scheiterten seit vielen Jahren immer wieder.

    Bemühungen, eine homosexuelle Orientierung zu verändern, sind sicherlich nicht „schädlich“, wenn ein Mensch tatsächlich unter dieser Orientierung leidet und eine Veränderung selber wünscht, ohne dass seine Umwelt ihn dazu zu bewegen versucht. Solche Bemühungen sind aber dann schädlich, wenn einem homosexuellen Menschen immer wieder eingeredet wird, wie verkehrt eine gelebte Homosexualität sei und dass sie letzten Endes vom Reich Gottes ausschließe. In seiner Verzweiflung greift er dann zu jedem Strohhalm, der sich bietet, und resigniert endgültig, wenn er spürt, dass ihm diese Veränderung eben doch nicht möglich ist, obwohl ihm das zuvor eingeredet worden war!Von daher gesehen kann ich Volker Becks Kritik voll teilen.

    Ich wünsche unserer Kirche, dass sie eine solch offene Grundhaltung vertritt, wie sie in Ihren Ausführungen deutlich wird und wie sie hoffentlich auch einmal Frau Dr. Vonholdt und das DIJG vertreten können.

    Gerhard Mundt
    Rummelsberg

  4. Sehr geehrter Herr Mundt,

    herzlichen Dank für ihr Lob für meine Stellungnahme(n).

    Ich möchte aber bitte noch darauf hinweisen, dass ich es ebenfalls mind. als schwierig erachte, Homosexualität als Christ in einer Beziehung auszuleben. Dies sage ich als jemand, der Freunde in seinem Bekanntenkreis hat, die dies tun und mit denen ich an dieser Stelle mit unterschiedlichen Meinungen leben muss. Was aber auch ganz gut geht …

    Warum finde ich es problematisch als Christ in einer homosexuellen Beziehung zu leben? Damit ich mich nicht wiederhole:

    Zitat von meinem Beitrag oben:
    „Homosexualität aus christlich-ethischer Sicht steht meines Erachtens in der unauflöslichen Spannung zwischen biblisch-theologischem Menschenbild und seelsorgerlicher Wirklichkeit. In geradezu verbrecherischer Kürze:
    a) Biblisch-theologisch muss man viel verbiegen, wenn man eine Zuordnung von Mann und Mann oder von Frau und Frau heraus lesen will. Von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel wird von einem sich durch Frau und Mann ergänzenden Menschenbild – incl. Ehe als guter Ordnung- ausgegangen. Andere exegetische Wege bei Ausschöpfung aller historisch-kritischen Argumente kann ich persönlich beim besten Willen nicht nachvollziehen.
    b) Seelsorgerlich ist aber andersherum klar, dass ein “das gibt es nicht” oder “du darfst so nicht fühlen” blanker Nonsens ist. Auch ist klar, dass in einer offenen Gesellschaft ausgehalten werden muss, dass Menschen sich für einen Lebensweg entscheiden, der ihnen entspricht und wenn das die homosexuelle Lebensform ist – okay. Dass Christen, die Homosexualität nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können und wollen – was aufgrund der biblisch-theologischen Sachlage meines Erachtens nachzuvollziehen ist -, eine Veränderung wünschen und sich auf eine Therapie einlassen, muss aber mit der gleichen Begründung ebenfalls respektiert werden. Und dass in der Seelsorge von vorneherein nur davon auszugehen ist, dass homophile Empfindungen nicht veränderbar sind, ist meines Erachtens ebenso verkehrt wie, dass alle homophilen Empfindungen zu verändern sind.“

    Nochmals etwas anders ausgedrückt:
    In einer – Gott sei Dank – offenen Gesellschaft muss akzeptiert werden, dass für viele Menschen in Deutschland die Bibel und damit Jesus Christus als deren Mitte keine richtungsweisende Gültigkeit besitzt und von daher andere ethische Wertemaßstäbe gelten. Dass Christen in der HuK und anderswo den biblischen Befund anders interpretieren, muss ich ebenfalls akzeptieren, auch wenn ich es persönlich nicht nachvollziehen kann und glaube, dass sie hier falsch liegen.

    Die wenigen Begegnungen, die ich mit Fr. Vonholdt und der DIJG hatte, waren positiv und offen – auch bei kritischen Nachfragen. Schade, dass sie Gegenteiliges erfahren haben.

    Liebe Grüße nach Rummelsberg

    Michael Götz

  5. Sehr geehrter Herr Götz,

    Sie sind Christ, ich bin Christ, Theodor Bovet ist Christ und viele, viele andere sind Christen. Als Christen sind wir aufgerufen, ein Leben zu führen, das sich an den Regeln der Bibel orientiert. Die Bibel stellt fest, dass Mann und Frau sich gegenseitig ergänzen – und damit hat sie recht. Wenn ein homosexuell geprägter Mann eine Frau heiratet, ist das allerdings keine Ergänzung, sondern in den allermeisten Fällen eine schwere, manchmal lebenslange, Belastung für beide Partner!

    Während meiner Ausbildungszeit lernte ich die „Ehekunde“ Theodor Bovets kennen. Bovet war Arzt und Eheberater – und er war Christ. Im Rahmen seiner Beratungstätigkeit kam er mehrfach mit dem Thema Homosexualität in Berührung. Die Erfahrungen, die er hier machte und die er 1962 in einem Kapitel seiner Ehekunde unter „Homophile Paare“ veröffentlichte, möchte ich nachfolgend auszugsweise wiedergeben. Ich meine, dass es sich lohnt, über seine Feststellungen nachzudenken:

    Gewissen: >Nehmen wir das persönliche Gewissen als höchste Instanz an, dann werden wir feststellen, dass der echte Homophile die Liebe zum gleichen Geschlecht, die Treue gegen den gleichgeschlechtlichen Partner, die selbstlose Hingabe an ihn und die geistige Vertiefung dieser Liebe genau gleich erlebt, wie der „Normale“ die Liebe zum anderen Geschlecht. Der Homophile hat das gleiche Empfinden für Zucht und Unzucht, nur auf das eigene Geschlecht bezogen, und er empfindet Geschlechtsbeziehungen zum anderen Geschlecht genauso sündhaft und widernatürlich wie der „Normale“ solche zum eigenen.Die Erfahrung zeigt, dass es solche Paare gibt, die den Kriterien der Liebe, Treue und geistigen Vertiefung entsprechen und von den Partnern durchaus als Gegenstück einer Ehe empfunden werden.In Anbetracht der andern „Natur“ und des andern Gewissens des Homophilen müsste die ethische Forderung an ihn ganz ähnlich lauten wie die an den „Normalen“: Entweder du gehst eine tiefe personale Beziehung ein, die ein Paar bildet – die erotische Beziehung hat nur einen Sinn, wenn sie Ausdruck einer solchen Partnerschaft ist -, oder du bekennst dich zum Ledigenstand und verzichtest damit, genau wie der Heterosexuelle, auf flüchtige Geschlechtsbeziehungen.Sowohl ethisch als auch sozial ist das erstrebenswerte Ziel eine Dauerfreundschaft zweier Homophiler, in der Liebe, Treue, geistige Gemeinschaft und gegenseitige Förderung in vergleichbarer Weise erlebt werden wie in der Ehe. … Je versteckter, untergründiger der Homophile seine Geschlechtlichkeit erleben muss, desto schwerer macht man ihm aber eine solche Freundschaft, desto mehr treibt man ihn zu flüchtigen und deshalb vorwiegend sexuellen, bestenfalls nur-erotischen Beziehungen.<

    Lieber Herr Götz, jeder macht eigene und macht unterschiedliche Erfahrungen mit diesem Thema, jeder wird anders geprägt. Ihre Erfahrungen sind andere als meine oder als die Theodor Bovets. In dieser Unterschiedlichkeit müssen wir einander stehen lassen können.

    Freundliche Grüße

    Gerhard Mundt

  6. Sehr geehrter Herr Mundt,

    erstmal vorweg: herzlichen Dank für die angenehme Art und Weise der Diskussion, die ich genau beim Vorgehen in Bezug auf das Christival seitens Hr. Beck vermisst habe.

    T. Bovet´s „Ehekunde“ steht in meinem Bücherregal und ich habe es Mitte der 90er durchgelesen und finde vieles sehr hilfreich.

    Auch glaube ich ihnen, dass der von ihnen geschilderte Fall eines homophil empfindenden Partners in einer heterosexuellen Beziehung eine höchst problematische seelsorgerliche Situation ist, die ich nicht in der Lage bin in einem Blog im Internet zu kommentieren. Da gibt es m.E. Grenzen solcher öffentlich geführten Diskussionen.

    Dass – wenn Homosexualität von Christen ausgelebt wird – ein treuer dem promisken Lebensstil vorgezogen werden muss, pflichte ich Bovet auch bei.

    Seine seelsorgerliche Herangehensweise klingt auf das Erste sehr sympathisch, nur lässt sie m.E. einen Faktor ausser Acht, der für mich aber wesentlich ist. Bovet nennt das Gewissen als die höchste Instanz, was vollkommen richtig ist in Bezug auf den Menschen. Doch – und dies ist m.E. zu wenig bei Bovet beachtet – genau diesem Gewissen des Menschen tritt Gott mit seinen guten Weisungen und Ordnungen entgegen. Und genau hier komme ich trotz einiger gelesener HuK-Artikel und Bücher, welche biblisch-theologisch Homosexualität als gleichwertige Variante zur Heterosexualität nachweisen wollen, nicht weiter in der Erkenntnis als diese, dass dies eben so nicht ist. Hier den biblischen Befund in seiner ganzen Breite zu diskutieren sprengt den Rahmen und hat seinen Niederschlag in vielen theologischen Büchern gefunden. Ich werde mich deswegen jetzt auch hüten, noch Theologen und andere Denker als Kronzeugen heran zu ziehen, denn dies würde immer zu kurz greifen.

    Und: Mir ging es bei meiner persönlichen Stellungnahme nicht grundsätzlich um das Thema „Homosexualität“, sondern vor allen Dingen um die m.E. unmögliche Vorgehensweise in Bezug auf das Christival durch Hr. Beck. Dies bitte ich auch bei der weiteren Diskussion in dem Blog zu beachten. Danke.

    Mit lieben Grüßen

    Michael Götz

  7. Lieber Herr Götz,

    dass Homosexualität „gleichwertige Variante“ zur Heterosexualität ist, kann man nicht „beweisen“, sondern nur selbst „erleben“. Eine Diskussion darüber ist insofern sicher auch nicht sinnvoll. Gottes gute Weisungen und Ordnungen ergehen an homo- wie an heterosexuelle Menschen. Sie besagen nirgendwo, dass die Liebe zweier Menschen zueinander, die von homosexuellen Menschen nicht anders er- und gelebt wird, wie von heterosexuellen Menschen, nur „vergeistigt“ – unter Ausschluss der körperlichen Komponente -erlebt werden düfte. Auch homosexuelle Christen halten sich an diese Weisungen und Ordnungen, wenn sie dem Menschen, den sie lieben, mit Achtung und Respekt begegnen. Und auch dies kann wohl nur selbst so „erlebt“ werden. Der körperliche Ausdruck von Liebe ist bei heterosexuellen Menschen genausowenig ein Zeichen von „Gehorsam“, wie bei homosexuellen Menschen ein Zeichen von „Ungehorsam“ (vgl. Bovet).

    Frau von der Leyen ist bei der Übernahme der Schirmherrschaft für das Christival ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass es „vom Geist des Respekts und der Toleranz gegenüber menschlicher Vielfalt“ geprägt ist – wie es in einem Schreiben des Familienministeriums heißt. Homosexuelle Menschen sind ein Teil dieser Vielfalt und verdienen den gleichen Respekt, wie heterosexuelle Menschen. Wie ich in meiner ersten Stellungnahme schon schrieb, lassen OJC und DIJG diesen Respekt sehr vermissen, indem sie Homosexualität grundsätzlich und in jedem Fall als „therapiebedürftige Störung“ und „unvereinbar mit einer christlichen Lebensführung“ ansehen. Dass auch ein Christ seine (Homo)Sexualität als Teil seines Lebens erleben und in einer Partnerschaft verantwortlich mit ihr umgehen kann, wird ignoriert.

    Die Kritik von Herrn Beck, die das Christival selber nicht in Frage stellt, ist für mich darum durchaus verständlich und nachvollziehbar!

    Freundliche Grüße
    Gerhard Mundt

  8. Lieber Herr Mundt,

    Ich habe den Argumenten jetzt auch nicht mehr viel hinzuzufügen, denn ich glaube, dass wir uns jetzt in der Diskussion im Kreis drehen.
    a) Sie behaupten, dass die Bibel homo- wie heterosexuelle Beziehungen gleich wertet.
    b) Aus dem gesamtbiblischen Befund – von der Schöpfung an bis zum Schluss – wird m.E. klar von der Zuordnung der unterschiedlichen Geschlechter ausgegangen. An – sicherlich wenigen – Stellen wird praktizierte Homosexualität wie im Römerbrief klar als Sünde bezeichnet. Umgekehrt kenne ich keine Stelle, die darauf hinweist, dass homosexuelle Beziehungen von Gott gewollt sind. Ein erklärtes Ziel von Ehe – nämlich Nachwuchs – ist auch nur in einer heterosexuellen Beziehung auf natürlichem Wege möglich.
    Ein guter Freund von mir – selbst lebend in einer homosexuellen Beziehung – bekennt selber, dass Homosexualität biblisch-theologisch unter den Bereich „gefallene Schöpfung“ fällt – wie eine Ehescheidung etc. auch. D.h. er lebt ethisch gesehen wie ein „Geschiedener“ und muss sich genauso wie dieser mit dieser Situation arrangieren – ohne aber vor sich und der Welt legitimieren zu müssen: Homosexualität ist biblisch-theologisch beurteilt das Gleiche wie Heterosexualität.

    Und dann doch noch ein paar Sätze zu ihrem zweiten Abschnitt:
    Respekt und Toleranz gegenüber menschlicher Vielfalt fängt nicht damit an, dass ich die Meinung des anderen übernehme, sondern dass ich den anderen mit seiner anderen Meinung aushalte, ohne ihm deswegen feindselig zu begegnen. Wenn ich etwas mit dem christlichen Glauben unvereinbar finde, dann darf ich dies sagen, wenn ich dies auch begründen kann – so auch die OJC oder das Christival. Und deswegen stelle ich den Anderen als Mensch noch lange nicht in Frage – das wäre ja Wahnsinn. Ich erinnere nur – um ein Beispiel zu nennen – an die Fragestellung, ob ein Christ zur Bundeswehr gehen darf oder nicht? Die einen sahen es in den 80ern als unvereinbar, die anderen nicht. Und trotzdem hat man weiter gemeinsam als Christen gelebt.
    Die drei weitest verbreiteten Konfessionen – katholisch, orthodox, pfingstlerisch – sind von ihren Lehrmeinungen in Bezug auf Homosexualität – mind. in ihren Hauptströmungen und von der Leitung (kath.+orth.) her – mit der OJC und dem Christival konform. Dies sollte auch bei der ganzen Diskussion beachtet werden, damit nicht der Eindruck entsteht, da handelt es sich um ein paar christliche Sondergruppierungen mit einer Spezialmeinung.

    Bei allen Meinungsunterschiedenheiten möchte ich Sie bitten, dass Sie mir glauben (und das steht deutlich ÜBER unserer kontroversen Diskussion!), dass mir ein homosexuell lebender Mensch genauso lieb ist wie ein heterosexuell lebender Mensch – ohne Abstriche. Die Freunde und Bekannten in meinem Umkreis, die homosexuell leben, könnten dies Ihnen sicherlich bestätigen, auch wenn sie wissen, dass ich in der Frage in Bezug auf Christsein + Homosexualität an einigen Punkten einer anderen Meinung bin als sie.

    Mit freundlichen Grüßen und in Christus verbunden

    Michael Götz

  9. Sehr geehrte Herren Götz und Mundt,

    ich habe zu Ihrer erfreulicherweise sehr sachlichen Diskussion noch folgende Anmerkungen.

    Für mich als Christ ist Gott selbst die höchste Instanz, er prägt mein Gewissen, welches sich ihm unterordnen muss. Das Gewissen ist also ganz sicher nicht die höchste Instanz. Ich passe mein Gewissen immer wieder meinem Erkenntnisstand über Gottes Willen an. Das „natürliche“ Gewissen kann zwar richtig sein, ist aber genauso von der Ursünde beeinträchtigt, wie alles andere auch. Nur so ist zu erklären, dass es Naturvölker gibt, die alle Fremden töten oder Blutrache für legitim halten.

    Zur Gesprächsbereitsschaft des DIJG: Erstens hat es nichts mit der Kontroverse zwischen Volker Beck und Christival zu tun, ob die HuK persönliche Gespräche mit Frau Dr. Vonholdt führt, zweitens möchte ich gerne wissen, was der Nutzen von solchen Gesprächen sein sollte. Ich bin sicher, weder die DiJG, noch die HuK werden von ihrer Haltung abrücken, denn beide Haltungen sind auf den persönlichen Glauben ihrer Vertreter gegründet, den ich respektiere.

    Der Satz, dass Homosexualität gleichwertige Variante zur Heterosexualität sei, könne man nicht beweisen, sondern nur selbst *erleben* kann nach dem, was HuK und ähnliche in der Regel von sich geben, nicht stimmen. Wenn man das selbst *erleben* könnte, hieße das, ein und derselbe Christ könnte erleben, dass er eine homosexuelle Partnerschaft und eine heterosexuelle Partnerschaft in einer erfüllenden Art und Weise erlebt. Das geht nicht, denn gleichzeitig wäre das Bigamie und nacheindaner erforderte das eine Scheidung, die notwendigerweise voraussetzt, dass die erste Partnerschaft eben nicht erfüllend war. Die Scheidung ist zudem von Gott aus nicht gerade ein erstrebenswertes Ziel. Zuletzt, wenn ein Mensch trotzdem diesen direkten Vergleich hätte und beide Arten von Sexualität erfüllend erleben würde, hätte er keinen Grund, die biblisch gesehen eher fragwürdige Homosexualität der biblisch klar präferierten Heterosexualtität vorzuziehen (Ich beziehe mich hinsitzlich der Präferenz auf die Aussagen von Herrn Götz). Den Satz, dass Homosexualität gleichwertige Variante zur Heterosexualität sei, könne man nicht beweisen, höre ich von der HuK selten aber gerne, dem stimme ich zu.

    Zuletzt bedauere ich, dass hier, wie an vielen Stellen, nicht gesehen wird, dass Respekt nur gegenüber von Menschen, nicht aber gegenüber von Ideen angebracht ist. Respekt ist ein Ausdruck der Wertschätzung des Gegenübers, die auf dessen Menschenwürde gegründet ist. Ideen haben keine Menschenwürde. Mit Ideen und Haltungen muss (nur) deshalb vorsichtig umgegangen werden, weil sie von Menschen vertreten werden, denen Respekt gebührt. Und genaus das tun im Gegensatz zum Vorwurf von Herrn Mundt die OJC und das DIJG. Das DIJG respektiert alle Homosexuellen, aber kritisiert die Idee einer homosexuellen christlichen Lebensführung. Das ist der gleiche Zusammenhang, wie wenn mein Kind beim Mittagessen das Messer in die falsche Hand nähme und ich es zu Recht wiese. Niemand würde auf die Idee kommen, ich respektiere mein Kind nicht, weil ich ihm während der Mahlzeiten ein Mindestmaß an Benehmen abverlange. Wenn das schon bei so subjektiven Benimmregeln gilt, so muss es erst Recht für Gebote und Haltungen gelten, die ich in der Bibel finde.

    Mit freundlichen Grüßen und in Christus verbunden

    F. aus N.

  10. eine der besten und sachlichen diskussionen zu diesem thema
    danke an alle beteiligten
    ich werde die diskussionsbeiträge auf meiner seite veröffentlichen wenn niemand etwas dagegen hat
    gruß
    peter

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