Andacht zur Vorstandssitzung von Christoph Then

„Steht im Glauben, seid mutig und seid stark“ (1. Kor. 16,13)

Es gibt wohl niemanden den die Ereignisse im Irak in den letzten Monaten kalt gelassen haben. Mit einer unglaublichen Aggressivität und Brutalität und einem atemberaubenden Tempo hat die islamische Organisation „Islamischer Staat“ nicht nur für negative Schlagzeilen gesorgt, sondern auch die Landkarte im Nahen Osten verändert.

Und leider hat durch die Ausbreitung dieser Terrororganisation die Verfolgung unserer Glaubensgeschwister im Irak und in Syrien einen traurigen, vorläufigen Höhepunkt erreicht. Mossul im Nordirak ist seit Juli „Christenfrei“, Tausende sind geflohen, in die irakischen Kurdengebiete oder in die Türkei. Der Exodus der irakischen Christen geht also weiter. Stellten die Christen in den 70er Jahren noch 15% der irakischen Bevölkerung, sind es jetzt gerade mal noch 1-2%. – bei wachsender Bevölkerung.

Aber nicht nur dort: In Nigeria, Ägypten, Pakistan, dem Sudan, Nordkorea oder dem Iran werden Christen täglich wegen Ihres Glaubens schikaniert, benachteiligt, aus der Gesellschaft ausgeschlossen, ins Gefängnis geworfen, verfolgt oder getötet.

Ich habe mich oft gefragt, warum das eigentlich so ist? Welche Gründe gibt es eigentlich für Diskriminierung und Verfolgung der Gemeinde Jesu? Überrascht uns das eigentlich? Eigentlich nicht, denn Jesus selbst hat es vorhergesagt. So stehen im Matthäus – Evangelium im 10. Kapitel folgende Worte Jesu:

»Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid darum klug wie die Schlangen und doch ohne Falsch wie die Tauben. Nehmt euch in Acht vor den Menschen! Sie werden euch in ihren Synagogen vor Gericht stellen und auspeitschen. Man wird euch um meinetwillen vor Machthaber und Könige führen, und ihr sollt vor ihnen und vor allen Völkern meine Zeugen sein. (…)

Um meines Namens willen werdet ihr von allen Menschen gehasst werden. Wer aber bis ans Ende standhaft bleibt, wird gerettet. Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, dann flieht in eine andere! Ich sage euch: Noch bevor ihr mit den Städten Israels zu Ende seid, wird der Menschensohn kommen. Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Diener nicht über seinem Herrn.

Matthäus 10, 16-18 und 22-24

Seit Jahrhunderten oder besser gesagt seit Anfang an wurden Christen um ihres Glaubens willen verfolgt. Und interessanterweise hat die Verfolgung nicht zur Ausrottung der Christen geführt, sondern zu deren Wachstum. Weder die mächtigen römischen Kaiser, noch der Islam im frühen Mittelalter, noch gegenseitige konfessionelle Verfolgung, weder der weltweite Kommunismus in Europa oder China, noch sonstige Ideologien haben das Christentum vernichtet.

Der Name Jesu muss wirklich sehr mächtig sein…

„Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“ – nirgendwo sonst erlebe ich das so stark und geht so tief wie bei den erschütternden Märtyrer – Berichten, die man nachlesen kann. Anfang des Jahres verlangten islamistische Rebellen, dass die letzten Christen die Stadt Homs in Syrien verlassen sollten. Die meisten Christen verließen Hals über Kopf die Stadt. Ein alter Mann, der seinen behinderten Sohn in seiner Wohnung pflegte wusste nicht wohin mit dem Sohn. So entschloss er sich zu bleiben und wurde vor den Augen des Sohnes von den Rebellen erschossen.

Ein junger Mann weigerte sich bei der Eroberung der Stadt Mossul durch die IS sein Kreuz abzulegen, dass er um den Hals trug. Er wurde lebendig begraben.

Solche Berichte sind schockierend und stellen meinen persönlichen Glauben immer wieder auf die Probe. Ausgestattet mit „Religionsfreiheit im Rücken“ und einer „riesigen Portion Menschenwürde, gesetzlich geschützt“ kann ich hier in Deutschland mein Christsein sehr bequem leben. Ein nordkoreanischer Christ sagt mal: „Jesus fordert uns heraus durch Verfolgung und Euch durch Eure Freiheit“. Manchmal schäme ich mich auch wenn ich daran denke, wie verfolgte Christen ihren Alltag gestalten müssen und welche „Luxusprobleme“ ich mit mir so rumschleppe. Dann frage ich mich womit ich das eigentlich „verdient“ habe nicht verfolgt zu werden. Warum die, warum nicht ich?

Ich bekam darauf eine göttliche Antwort, die mich zum „mitleiden“ aufforderte. Fürbitte für Verfolgte, Fürsprache durch Einmischung, z.B. in Form von Unterschriftenaktionen für verfolgte Christen, Gebet für Frieden und Gerechtigkeit und Solidarität und Unterstützung für Glaubensgeschwister in Bedrängnis. Eines ist mir auch so richtig bewusst geworden. Das Thema Christenverfolgung zeigt mir aber auch, wie sehr wir Christen auf die Gnade Gottes angewiesen sind.

Jesus Christus ist nicht nur der Weg und das Leben, er ist auch die Wahrheit. Und die Wahrheit kann manchmal sehr unbequem sein. Wir Christen sind nicht nur Verfolgte, sondern auch Verfolger. Südamerika wurde mit dem Kreuz und Schwert erobert, Karl der Große, der „Vater des abendländischen Europas“ christianisierte die gefangenen sächsischen Adeligen, in dem er sie erst taufte und posthum enthaupten ließ. Und die christlichen Kreuzzüge haben damals vielen Glaubensgeschwistern im Nahen Osten einen „Bärendienst“ erwiesen. War die Situation im 8. Und 9 Jahrhundert noch so, dass der aufstrebende Islam die Christen im Nahen Osten größtenteils in Ruhe ließ, so begannen die Verfolgungen und Zwangsislamisierungen vor allem nach den Kreuzzügen, die in der gesamten Region eine Blutspur nach sich zog.

Und auch heute noch laden wir Christen Schuld auf uns, wenn wir es nicht schaffen Gerechtigkeit und Chancengleichheit herzustellen, sondern uns nur bemühen, den eigenen Leuten gerecht zu werden. Das beste Beispiel dafür ist Nigeria, wo u.a. Armut, Perspektivlosigkeit und Korruption Menschen in die Arme der Boko Haram treiben. Die Politik, Wirtschaft und das Militär wird überwiegend von der christlichen Bevölkerungsmehrheit dominiert.

Wie sollen wir uns orientieren in dieser unsicheren Zeit? Was gibt uns Halt? Was gibt uns Mut? Welche Perspektiven haben wir als Christen auf dieser Welt?

Ich denke wir sind gut beraten uns an demjenigen zu orientieren, der für uns alles getan hat – Jesus. Sein Leben, seine Art Menschen zu begegnen, egal ob Freund oder Feind, seine Liebe sollte für uns täglich Ansporn sein ihm nachzufolgen.

Besonders die Feindesliebe fasziniert mich. Was empfindet ihr wenn ihr den „Kalifen des IS“ im Fernsehen seht oder Bilder von Erschießungen, Kreuzigungen oder wehende schwarze Fahnen, darunter siegesposierende IS-Kämpfer? Also ich reagiere reflexartig mit Abscheu und Verachtung und verlange innerlich sofort nach einer entsprechenden Antwort der amerikanischen Luftwaffe…

»Ihr wisst, dass es heißt: ›Du sollst deine Mitmenschen lieben, und du sollst deine Feinde hassen.‹ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen. Damit erweist ihr euch als Söhne eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne über Bösen und Guten aufgehen und lässt es regnen für Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr ´nur` die liebt, die euch Liebe erweisen, was für einen Lohn habt ihr dafür zu erwarten? Tun das nicht sogar ´Leute wie` die Zolleinnehmer? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht sogar die Heiden, ´die Gott nicht kennen`? Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.«

Matthäus 5, 43-48

Ich hab mir für die nächsten Wochen etwas vorgenommen. Ich möchte mir einmal am Tag Zeit nehmen um für den Kalifen und IS-Führer Abu Bakr al Bagdhadi zu beten. Und als zweite Person habe ich mir den britischen Dschihadisten aufs Gebet geschrieben, der in regelmäßigen Abständen westliche Geiseln vor laufender Kamera hinrichtet. Ich werde Jesus darum bitten, dass er den beiden mit seiner Liebe begegnet, dass sie ihn kennen lernen und dass sie ihre Sünden erkennen und sich von ihm vergeben lassen. Wie Jesus das macht, überlasse ich ihn. Das klingt ein bisschen freakig, gebe ich zu?

Sicherlich, aber „was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Das möchte ich glauben und im Vertrauen auf sein Wort daran festhalten, denn sein Worte sind ewig.

Amen

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