John Finney bei missio2013: Zukunft der Kirche liegt in den Händen der Laien

John Finney
Heute fand die Konferenz missio2013, der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, in Nürnberg statt. Hauptredner war der 81 jährige John Finney, er ist emeritierter Bischof der Church of England.

In einem sehr inspirierenden Referat in der vollbesetzten Sebalduskirche sprach darüber, wie die Kirche in einer immer säkulareren Welt Menschen zum Glauben einladen kann. Dabei sah er die Tatsache, dass der Einfluss und die Besucherzahlen der Kirche schrumpfen nicht nur negativ, sondern hat das auch als „gesundschrumpfen“ interpretiert. Er vertrat die Auffassung, dass die Menschen in Bayern spätestens in 15 Jahren ähnlich wenig Basiswissen über den christlichen Glauben haben, wie die Menschen heute in England (In anderen Teilen Deutschlands ist das schon so weit).

Seine Kernaussagen im Vortrag waren, dass wir neu überlegen müssen, wie wir die Menschen erreichen. Dabei sind unsere Traditionen, also das Fundament unseres Glaubens unverzichtbar, aber Traditionalismus extrem schädlich. Wir müssen uns also zum Beispiel fragen, was die Mehrheit der Menschen davon abhält in den Gottesdienst zu gehen und Dinge die „wir schon immer so gemacht haben“ hinterfragen und gegebenenfalls ändern. Ein Beispiel war, dass viele Menschen einfach nicht in einen Sonntagsmorgengottesdienst gehen wollen oder können und wir für diese Menschen andere Angebote schaffen müssen.

Ein interessantes Detail war auch, dass viele Pfarrer in der anglikanischen Kirche zwar ordiniert sind und eine volle theologische Ausbildung haben, aber trotzdem ehrenamtlich tätig sind.

In der Church of England wurde die Bewegung „Fresh Expressions“ gestartet, um mit neuen Formen und Möglichkeiten experimentieren zu können, wie man Menschen mit dem Evangelium erreichen kann. Darüber hat er in einem zweiten Vortrag geredet, der ebenfalls sehr hörenswert war.

Eine zentrale Frage dabei war, welche Form der Evangelisation für ein Gemeinschaft angemessen ist, die den Glauben immer mehr verliert. Als früher noch alle (bzw. die Mehrheit der Menschen) in die Kirche gegangen sind, war die passende Form die Predigt in der Kirche. Später waren es dann Großevangelisationen, danach kamen die Glaubenskurse (wie Emmaus oder Alpha) und jetzt, wo fast niemand mehr die Basis des Glaubens kennt, ist es in der Kirche von England das Katechumenat (der Taufunterricht).

In Nürnberg und Bayern sind bei vielen Menschen wahrscheinlich noch die Glaubenskurse der richtige Zugang, da es noch ein gewisses Grundwissen (aus der Kindheit und dem Konfirmandenunterricht) über den christlichen Glauben gibt, auf dem man aufbauen kann. Laut Finney ist damit eine der Hauptaufgaben der Pfarrer hier zu jeder Gelegenheit (Taufen, Hochzeit, Beerdigungen, …) bei der sie mit Menschen in Kontakt kommen zu Glaubenskursen einzuladen (und diese natürlich auch durchzuführen).

Ein schöner Vergleich war auch der mit der Bananenrepublik; also eine Ökonomie, die vollkommen von einem Produkt abhängig ist (zum Beispiel der Banane). Wollen oder können die Menschen keine Bananen mehr essen, dann geht diese Ökonomie zu Grunde. Seine Frage war, was ist bei uns die „Banane“, als Beispiel hat er dann noch den Sonntagsgottesdienst um 9:30 Uhr gebracht.

Da kam mir dann auch gleich die Frage, was könnten bei uns im CVJM oder der Mitarbeitergemeinschaft die Bananen sein?

Ein weiteres Bild von Finney war das der Blumentopfgemeinde. Er sagt, dass die Gemeinde nicht auf den Pfarrer und den (Kirchen-)Vorstand ausgerichtet sein soll, sonder das es genau umgekehrt sein muss. Der Pfarrer und der Kirchenvorstand muss unten stehen, danach kommt noch eine etwas breitere Ebene mit Gremien und darüber die breite Basis der Gemeinde, die vom Pfarrer befähigt wird das Evangelium zu verbreiten. Er sprach dabei auch davon, dass die Zukunft der Kirche (von England) in den Händen der Laien liegt.

Ich habe mich dabei gefragt, ob es dann nicht vielleicht der Auftrag der ehrenamtlichen Mitarbeiter im CVJM ist, sich stärker in ihren Ortsgemeinden zu engagieren, um dort die Verbreitung des Evangeliums zu unterstützen. Dazu müsste sich aber vielleicht auch etwas an den Strukturen und Ansprüchen im CVJM ändern, damit die Mitarbeiter auch noch die Zeit und Kraft haben das zu tun.

Insgesamt fand ich missio2013 einen sehr gelungenen Tag, der sich, trotz einiger Verbesserungsmöglichkeiten in der Organisation, sehr gelohnt hat. Endtäuschen, aber vielleicht auch erwartbar, war aber, dass sich im Vergleich zu den möglichen Teilnehmern (bei 150.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern und wahrscheinlich über 30.000 hauptamtlichen Mitarbeitern in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern) dann, trotz der gefüllten Sebalduskirche, nur verschwindet wenig Menschen zu einem Konferenz zu einem so zentralem Thema aufgemacht haben. Auch den Landesbischof hätte ich eigentlich bei so einer Veranstaltung erwartet.

Die nächste missio Veranstaltung soll am 3. Oktober 2016 stattfinden.

Stefan Wagner

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