Evangelische Allianz Deutschland zum Rücktritt des Papstes: Dankbarkeit, Achtung und Respekt

Michael Diener: Wir wünschen uns, „dass die katholische Kirche sich in ihren Lehren und Traditionen immer weiter zunehmend vom lebendigen Wort des lebendigen Gottes formen und prägen lässt“

Die Deutsche Evangelische Allianz nimmt mit großer Achtung und mit Respekt die Entscheidung von Papst Benedikt XVI über seinen Rücktritt zum Ende dieses Monats zur Kenntnis.

Seit über 700 Jahren bringt damit ein Inhaber des Petristuhls die geistlich-dienende Dimension seines Amtes dadurch zum Ausdruck, dass er an den Insignien seiner Macht nicht festhält, sondern bewusst loslässt. Das hat Vorbildcharakter und hilft einer katholischen Kirche, die in vielfacher Hinsicht vor immensen Herausforderungen steht. Der frühere Kardinal Joseph Ratzinger ist sich auch als Papst treu geblieben. Er sah sich als dienende Zwischenlösung nach Papst Johannes Paul II, hat aus seiner wissenschaftlich-theologischen Gelehrsamkeit nie einen Hehl gemacht und sich dennoch um Menschennähe bemüht. Selbst ohne die großen Verwerfungen innerhalb des Vatikans in den vergangenen Monaten war ihm eine derartige Entscheidung immer zuzutrauen.

Die Deutsche Evangelische Allianz dankt Benedikt XVI für die Klarheit, mit der er die geistliche Dimension aller christlichen Einigungsbemühungen deutlich gemacht hat. Sie ist dankbar, in welch prägender Weise sich in seinen Jesusbüchern Glaube, Vertrauen in die Heilige Schrift und Wissenschaft verbunden hat und auch dafür, dass in vielen ethischen Fragen (Lebensrecht, Schutz von Ehe und Familie) der Grundkonsens zwischen Positionen der Deutschen Evangelischen Allianz und der katholischen Kirche immer wieder erkennbar geworden ist.

Mit dieser Dankbarkeit verbindet sich der Wunsch, dass der katholisch-evangelische Dialog nach einer Neubesetzung wieder an Fahrt gewinnt. Die immensen Herausforderungen, vor der die christlichen Konfessionen in diesem Jahrhundert der fortschreitenden Säkularisierung stehen, sind nur gemeinsam zu bewältigen. Amtsverständnis, Rolle der Ehrenamtlichen (Laien) und der Frauen, Abendmahl in konfessionsverschiedenen Ehen – das sind nur einige der ganz unterschiedlichen Fragen, die dringlich nach einer ökumenisch tragfähigen Antwort verlangen.

Die Deutsche Evangelische Allianz wird den Prozess der Neuwahl eines Papstes im Gebet begleiten und wünscht sich, dass die katholische Kirche sich in ihren Lehren und Traditionen immer weiter zunehmend vom lebendigen Wort des lebendigen Gottes formen und prägen lässt.

Dr. Michael Diener, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und Erster Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz

via ead.de

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