Wir sind eine Pro-Bewegung – die Evangelische Allianz
Der CVJM Nürnberg-Kornmarkt ist über einen Vertreter Mitglied im Komitee der Evangelischen Allianz in Nürnberg. Der Generalsekretär der Evangelischen Allianz in Deutschland (ead), Hartmut Steeb, schreibt in EiNS, dem Magazin der ead, was das Selbstverständnis der Allianz ist:
Wir sind eine Pro-Bewegung
Wofür steht eigentlich die Evangelische Allianz?
Das wollen wir im neuen Jahrzehnt noch einmal klar umreißen. Und es 2010 besonders auch im EiNS-Magazin an mehreren Themen deutlich machen.
Um es gleich am Anfang bündig zu sagen: Die Evangelische Allianz vertritt Für-Positionen – wir sind „pro”!
An zweimal sieben „Pros” will ich das verdeutlichen: an sieben geistlich-theologischen und an sieben gesellschaftlichen P(r)ositionen.
Wir sind Pro Evangelisch.
Evangeliums-gemäß. Wir stehen zur Frohen Botschaft des Neuen Testaments. Für die Liebe Gottes zu allen Menschen. Diese Welt ist Gottes Welt. Und jeder Mensch ist Gottes Mensch – von Gott bejaht, gewollt, geliebt.
Wir sind Pro Allianz.
Für Zusammenarbeit, für die Betonung des gemeinsamen Glaubens. Natürlich gibt es Notwendigkeiten zu Abgrenzungen. Aber wir dürfen uns nicht unter den 7 bis 8 % der Bevölkerung, die sich bewusst zu Kirchen und Gemeinden halten, die Zeit stehlen (lassen) und die Kraft in internen Auseinandersetzungen verbrauchen.
Wir sind Pro Christ.
Wir stehen für das Bekenntnis aller Christen. Das älteste Bekenntnis heißt: „Jesus ist Herr!” Was ist besonders bei Evangelikalen? Wir bekennen mit der ganzen Christenheit das Apostolische Glaubensbekenntnis: Gott als den Schöpfer und den Erlöser, Jesus Christus als den Auferstandenen, den Richter, den Wiederkommenden. Wenn wir mit dem Bekenntnis unseres Glaubens Brauchtumspflege betreiben würden, nachsprechen, was früher mal formuliert wurde, dann wäre das bloß ein Teil christlicher Kultur. Aber wir glauben tatsächlich, was wir bekennen. Wir stehen dazu.
Wir sind Pro Gott.
Es ist unsere tiefste Überzeugung, dass alles von ihm her kommt und zu ihm hingeht.
Wir sind Pro Bibel.
Die Bibel ist das Buch der Offenbarungsgeschichte Gottes. Wir wissen und wir akzeptieren, dass sie in einer langen Geschichte Gottes mit den Menschen entstanden ist. Sie ist nicht einfach ein Rezeptbuch. Aber sie enthält Gottes Fahrplan für die Lehre in der Gemeinde und das Leben der Christen. Gott hat es gefallen uns dieses Buch zu geben und darin finden wir die Anleitung zu einem gelingenden Leben – nicht ohne Gott, sondern im Vertrauen auf Gottes Wort und in der direkten Verbindung zu ihm, dem lebendigen dreieinigen Gott.
Wir sind Pro Heiligung.
Wir sind für ein persönliches geistliches Leben. Darum begrüßen wir auch das „Jahr der Stille”. Wir wollen auf Gott hören, unser Segel seinem Wind aussetzen. Wir glauben an die Veränderbarkeit der Menschen, dass aus einem Saulus ein Paulus wird. Wir wollen verwandelt werden in das Bild, das Gott von uns hat.
Wir sind Pro Mission.
Es gibt keine Alternative zu einem missionarischen Christsein. Der „Große Auftrag” steht. Natürlich werden wir nie mit dem Missionsauftrag fertig. Aber trotzdem packen wir es an. Entweder sind wir „werbende oder sterbende Kirche”. Darum freuen wir uns auch mit über die Einrichtung missionarischer Kompetenzzentren der EKD. Allerdings müssen wir auch bekennen, dass noch längst nicht in allen Kirchen und Gemeinden (auch evangelikalen) die Praxis missionarischen Lebens auf dem gleichen Stand ist wie das Bekenntnis zu Mission und Evangelisation.
Aus diesem siebenfachen geistlich-theologischen Ja heraus kommt die Sicht für die Mitgestaltung in dieser Welt.
Wir sind für das Leben.
Für das Leben, die Achtung und Erhaltung der Würde jedes Menschen, von der natürlichen Zeugung bis zum Tod, ja sogar über den Tod hinaus, bis zum Begräbnis. Auch das hat mit Menschenwürde zu tun. Würde erarbeitet man sich nicht. Sie ist gegeben.
Wir sind für Gleichberechtigung …
… von Mann und Frau, Kranken und Gesunden, Behinderten und Nichtbehinderten. Darum dürfen Männer nicht Frauen beherrschen und umgekehrt. Sie sind sich nach biblischem Verständnis zur gegenseitigen Ergänzung, Hilfe und Unterstützung gegeben. Diese Gleichberechtigung beginnt aber schon mit der Zeugung. Darum lehnen wir unterschiedliche Schutzkonzepte für Kranke und Behinderte ab.
Dazu gehört auch ein echter Minderheitenschutz. Auch diejenigen, die sich aufgrund ihrer Zahl oder eingeschränkten Möglichkeiten nicht selber angemessen in den demokratischen Willensbildungsprozess einbringen können, dürfen nicht von der Mehrheit unbeachtet bleiben. Es gibt Fragen, über die kann man nicht einfach mit Mehrheiten abstimmen. Darum brauchen wir den Minderheitenschutz in der Rechtsstaatlichkeit.
Wir sind für die Freiheit der sexuellen Eigenverantwortung.
Menschen dürfen in Freiheit selbst bestimmen, ob sie heiraten wollen, Kinder zeugen bzw. schwanger werden wollen oder nicht. Niemand darf zu sexuellen Handlungen gezwungen werden. Das gilt übrigens auch, wenn sexuelle Handlungen gekauft werden. Prostitution tritt die Menschenwürde mit Füßen. Und die sich scheinbar freiwillig da hinein begeben, tun es in der Regel aus wirtschaftlichem Zwang. Das ist alles andere als Freiheit! Der Körper eines Menschen ist weder zeitlich noch teilweise veräußerlich oder käuflich.
Wir werben dafür, die biblischen Aufträge wieder ernst zu nehmen. „Seid fruchtbar und mehret euch” ist nach biblischem Bericht das erste Wort Gottes an die Menschen. Wir sollten das auch wieder predigen. Wir sind für das Leben, für die Menschen.
Wir sind für die uneingeschränkte Verpflichtung zur Sozialstaatlichkeit.
In Konfliktsituationen persönlicher oder finanzieller Art ist die Gesellschaft – und sind die Kirchen und Christen – zur Hilfeleistung verpflichtet, um Nöte zu vermindern und Leben finanziell erträglich zu gestalten. Das hat auch eine weltweite Dimension. Darum setzen wir uns mit der Micha-Initiative dafür ein, dass Armut weltweit gelindert und Krankheit und Tod, wo immer das möglich ist, vermieden wird. Wir gehen dabei auch Ziele an, von denen wir wissen, dass wir sie vermutlich nicht vollenden werden. Das ist Realismus, der uns gut tut.
Wir sind für absolute private Gewaltlosigkeit.
Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich müssen gewaltlos geklärt werden. Gegebenenfalls müssen Gerichte zur Klärung hinzugezogen werden. Selbstjustiz darf es nicht geben. Das Faustrecht ist abgeschafft. Der Stärkere darf nicht den Schwächeren an die Wand drücken oder gar erdrücken.
Die Gewalttaten von Winnenden, München, Ansbach haben uns aufgeschreckt. Aber die Halbwertzeit solcher Ereignisse ist gering. Erfurt war einmal…
Wir sind keine Phantasten, die meinen, mit ein paar Ratschlägen könnte man das Böse aus der Welt schaffen. Aber es ist aller Mühen wert darüber nachzudenken, wie das Gewaltpotential – auch junger Leute – vermindert werden könnte. Wir brauchen viel mehr „Begleitpräsenz”. Wenn etwa ein jugendlicher Straftäter eine Bewährungsstrafe erhält, dann dauert es drei Monate, bis er das erste Gespräch mit dem Bewährungshelfer hat. Dabei müsste am Ende der Verhandlung ein Bewährungshelfer bereit stehen und weiter arbeiten.
Hier wie anderswo gibt es große gesellschaftliche Mankos. Menschen, “Begleiter” fehlen, an vielen Stellen. Eine Herausforderung auch für uns.
Wer gegen private Gewalt ist, trägt diese Verpflichtung immer und überall. Darum dürfen wir uns nach wie vor auch nicht abfinden mit den über 100.000 jährlichen Tötungen im Mutterleib.
Außerdem: Wir dürfen uns nicht an Gewaltdarstellungen in den Medien gewöhnen. Hier wäre mit kleinem Aufwand viel möglich.
Wir sind für Familie.
Die Ehe ist die Keimzelle einer Gesellschaft. Aus einer Ehe kann Familie werden. Die Liebe setzt sich hier in einer lebenslangen Ehe- und Treuegemeinschaft durch. Wir stehen damit zur Verantwortung für den anderen Menschen.
Deshalb sind wir auch pro Mutterschaft. Muttersein ist eine Berufung; ein Beruf, der höchste Achtung und Anerkennung verdient. Wir haben da in unserer Gesellschaft viel nachzuholen.
Ehe und Familie sind Gottes Idee. Und Familie ist, vom lateinischen Wortstamm her, eine “Dienst”gemeinschaft, auch ein Ort des Lernens von Solidarität.
Wir sind für freiheitliche rechtsstaatliche Gemeinschaft.
Wir wollen keinen Gottesstaat. Die staatliche Ordnung ist aber eingesetzt gegen Chaosmächte. Das heißt, dass wir uns aktiv einbringen in diese Gesellschaft, sie zu gestalten und ihre positive Grundausrichtung zu bewahren oder auch da und dort wieder ein Stück herzustellen. Auch an dieser Stelle, auch im direkten Kontakt mit „unseren” Volksvertretern, können wir noch sehr viel in der Gesellschaft bewirken. Als eine Pro-Bewegung.
Die Ausführungen von Hartmut Steeb sind ein bearbeiteter Auszug seines Referat beim Allianztag 2009 in Bad Blankenburg. Das vollständige Referat gibt es auf der Webseite der ead.
