Willkommenskultur leben und ermöglichen

Im Zusammenhang zur Pressemitteilung „Willkommenskultur leben und ermöglichen“ vom 31.07.2015 schreibt unser Präses Karl-Heinz Stengel einen Brief an den CVJM:

„Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde im deutschen CVJM, EJW und CJD!

Karl-Heinz Stengel schreibt an den CVJM

Karl-Heinz Stengel schreibt an den CVJM

Immer mehr Flüchtlinge kommen in diesen Tagen nach Europa, vor allem auch nach Deutschland. Viele der Menschen, die zu uns kommen, haben schlimme Erfahrungen hinter sich und sind auf unsere Hilfe angewiesen. Immer drängender werden die Fragen nach der Unterbringung und ob wir es schaffen können, Flüchtlinge bei uns aufzunehmen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland die Kraft und die Möglichkeiten haben zu helfen.

Die weltweite CVJM-Bewegung hat sich in ihrer Geschichte immer auch um Flüchtlinge und Kriegsgefangene gekümmert. In einem Buch schrieb ein Kriegsgefangenen-Sekretär des CVJM, „dass sie in jedem Kriegsgefangenen nur den Menschen sehen, dem sie in christlicher Nächstenliebe dienen möchten.“ Können wir diesen liebenden Blick Jesu mit übernehmen und in jedem einzelnen Flüchtling einen von Gott einzigartig geschaffenen und geliebten Menschen erkennen? In meinem Heimatort in Remchingen ist der CVJM schon seit vielen Jahren in einem erfolgreichen Integrationsprojekt mit engagiert. Das örtliche „Netzwerk Asyl“ wird von vielen Christen mit Leben gefüllt. In Remchingen gab es vor wenigen Tagen aber auch einen Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft. Von solchen menschenverachtenden Übergriffen dürfen wir uns nicht entmutigen lassen.

Ich bin sehr dankbar, dass sich an vielen Orten ehren– und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem CVJM, dem EJW und dem CJD für Flüchtlinge einsetzen und konkrete Hilfe leisten. Die Möglichkeiten vor Ort werden sehr unterschiedlich sein. Ich ermutige die Verantwortlichen vor Ort, sich in bewährter und innovativer Weise auch mit kleinen Hilfen in die Flüchtlingsarbeit einzubringen. Deutschland hat die Kraft zu helfen, vor allem, weil sich auch viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesellschaftspolitisch engagieren und konkrete Hilfen anbieten.

Als CVJM in Deutschland sind wir mit unseren Mitgliedern und den über 60.000 ehren– und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein starkes Glied dieser Hilfsgemeinschaft. Wir wollen als Teil einer weltweiten CVJM-Gemeinschaft weiterhin unseren Beitrag zu einer offenen, gelebten und praktizierten Willkommenskultur in Deutschland leisten.

Im Namen des CVJM-Gesamtverbandes bitte ich euch, wo das nicht schon geschieht, als CVJM-Verein zu prüfen, wie die Begleitung von Flüchtlingen und Asylbewerbern eine Aufgabe für euch werden kann.

Bitte prüft, ob ihr zum Beispiel geeignete Grundstücke, Immobilien oder Freiflächen besitzt, die ihr für einen begrenzten Zeitraum als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen könnt.

Bitte unterstützt nicht zuletzt auch durch euer Gebet die Menschen, die sich im CVJM und an vielen anderen Stellen für die gelebte, von Nächstenliebe geprägte Willkommenskultur einsetzen.

Können wir es schaffen, dass in jedem CVJM-Verein in Deutschland, der örtliche CVJM oder ein Mitglied des Vereins, eine Wohnung als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen kann? Das wäre doch ein weiteres starkes Signal unserer Solidarität mit den Menschen, die vielfach unsägliches Leid erlebt haben. Wir würden auch damit den Auftrag Jesu umsetzen, der einmal zu seinen Jüngern sagte: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern [die Schwestern waren mit eingeschlossen], das habt ihr mir getan.“

Ich freue mich, wenn ihr eure Erfahrungen mit uns teilt!

So grüße ich euch herzlich im Namen aller Verantwortlichen im deutschen CVJM und wünsche euch Gottes Segen für eure wertvolle und unverzichtbare Arbeit vor Ort.

Euer

Karl-Heinz Stengel“