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Um was es bei der Weltratstagung thematisch geht …

Sie haben bei der Katastrophe auf Haiti den YMCA-Hilfseinsatz koordiniert und geleitet.

Verantwortliche vom YMCA Dominikanische Republik

Nachdem ich die letzten Tage im Blog mehr über persönliche Begegnungen und dem Drumherum auf der Weltratstagung geschrieben habe, möchte ich aus meiner Sicht jetzt ein paar inhaltliche Punkte weitergeben, die hier miteinander in Plenumsveranstaltungen und Workshops verhandelt werden.

„Strengthen the Global Citizenship for all – sich für eine Weltbürgerschaft für alle einsetzen“ – so lautet das Motto der Weltratstagung. Was verbirgt sich dahinter? Die Welt ist in den letzten Jahrzehnten deutlich enger zusammen gerückt (Verkehr, Kommunikation, Migration, Wirtschaft, Umwelt) und eine internationale Organisation wie der YMCA ist ein typisches Kennzeichen für diese Entwicklung namens Globalisierung. Und so wie der YMCA im 19. Jhd. eine Antwort auf die soziale Schieflage in Zeiten der Industrialisierung war, müssen wir uns die Frage stellen, wie der YMCA in Bezug auf die Globalisierung handelt. Und damit sind jetzt keine staubigen Papiere gemeint, die wir produzieren und sagen, wie gut oder schlecht Globalisierung ist, sondern damit ist gemeint, wie wir konkret vor Ort handeln.

Weil es am einfachsten ist, mache ich das mal an zwei Aspekten unserer Arbeit aus unserem CVJM in Nürnberg deutlich, die mir jetzt in den Tagen hier auf dem Weltrat immer wieder in den Sinn gekommen sind.

a)        Jugendliche und junge Erwachsene unterstützen andere Kulturen zu entdecken, damit sie lernen aus der Sicht des anderen die Welt zu begreifen (Jugendaustausch über Atlantic Bridge mit den USA und Osteuropa; Volontäre, die für ein Jahr von uns nach Südafrika, Peru oder Kolumbien gehen oder die aus Peru oder Kenya bei uns leben; Vereins-Partnerschaften mit YMCAs aus anderen Ländern; Veranstaltungen wie Menschen-Länder-Abenteuer)

b)        Helfen, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine Heimat in Deutschland finden und unsere Gesellschaft dadurch bereichern (Betreuung für Kinder von Sprachschülern, die im CVJM-Haus Deutsch lernen; Aufbau von Freundschaften zu Menschen, die erst kurz in Deutschland sind; persönliche Deutsch-Nachhilfe; praktische zwischenmenschliche Hilfe in Alltagsfragen)

Eine besondere Bedeutung bei der ganzen Frage hat m.E. auch, dass wir als CVJM nicht aufhören Menschen einzuladen, sich wieder neu dem Schöpfer dieser Welt anzuvertrauen. In Jesus Christus erfahren wir Menschen die Liebe, die uns innerlich frei macht, andere zu lieben. Jesus Christus ist es, der uns neben unseren persönlichen Rechten, die wir in der westlichen Welt nur zu gut kennen, auch die Verantwortung für unser Leben und das unserem Nächsten deutlich macht. Somit gehören ein persönlich gelebter Glaube und ein leidenschaftliches, weltzugewandtes Engagement zusammen. Beides lasst uns in unserem CVJM stärken und nicht gegeneinander ausspielen! Und lasst uns hier auch von unseren internationalen Partnern lernen, denn es ist irre, was der weltweite YMCA an Erfahrungen bietet.

-          Ein Projekt aus Korea hat mich im Global Village (Messe, in der sich die Länder mit Projekten präsentieren) beeindruckt. Der koreanische YMCA hilft seit über fünf Jahren, Bauern aus Osttimor ihren traditionell und umweltschonend angebauten Kaffee auf dem koreanischen und japanischen Markt über Fairtrade zu verkaufen. Gleichzeitig haben sie die Bauern unterstützt, ihren christlichen Glauben neu zu stärken und zu leben. Beides hat dazu beigetragen, dass die Menschen dort mit neuer Hoffnung in die Zukunft schauen.

-          Oder heute habe ich in Hong Kong Christen kennengelernt, die mit viel Mühe bei Umsiedlungsprojekten, die durch den extremen Bevölkerungswachstum und unmögliche Wohnumstände unausweichlich sind, die betroffenen Menschen über Jahre begleiten, damit ein Umzug in einen neue Umgebung gelingt. Umgekehrt sind sie auch die Anwälte der umzusiedelnden Bürger gegenüber den Investoren, um z.B. faire Entschädigungen auszuhandeln.

-          Spannend war auch das Zwischenfazit des Global Operating Plan, einem auf der letzten Weltratstagung konzipierten System, wie sich YMCAs gegenseitig in Zielfindungsprozessen und Stärkung der CVJM-Identität unterstützen können. Es war beeindruckend zu sehen, wie der Plan tatsächlich in die Tat umgesetzt worden ist, z.B. zwischen dem CVJM in Deutschland und Togo. Besonders fallen auch die afrikanischen und südamerikanischen YMCAs auf, die neu ihre christlich-missionarische Dimension gegenseitig stärken wollen.

Allen Projekten ist ab zu spüren, mit welchem Respekt man sich gegenseitig auf gemeinsamer Augenhöhe als Weltbürger bzw. Schwester und Bruder achtet.

Über die Weltbundseite könnt ihr noch andere interessante Neuigkeiten erfahren, z.B. die Wahl der neuen Vorsitzenden des Weltbundes: Ken Colloton (USA); Fernando Ondarza (Mexiko). Es wird zum Weltrat jeden Tag eine Zeitung herausgegeben, die man im Web anschauen kann. Überhaupt ist die neue Weltbundseite prima aufgebaut und interessant durch zu stöbern: http://www.ymca.int/who-we-are/structure/world-council-of-ymcas/#c1271

So – es ist schon wieder früh am Tag und ich muss ins Bett. Gute Nacht und euch einen schönen Abend in Deutschland.

Übrigens: der Taifun ist in seiner vollen Stärke ausgeblieben. Dafür regnet es manchmal so heftig, dass man den Eindruck hat, die Wolken fallen einfach am ganzen Stück mit einem großen Rumms auf die Erde. Dumm ist dann, wenn man dort steht. Noch dümmern, wenn man das ohne Schirm macht :)

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