Ein Paradies für Flüchtlingskinder

Seit März 2014 unterstützt der CVJM-Gesamtverband durch Aktion Hoffnungszeichen gemeinsam mit dem CVJM Schlesische Oberlausitz die Arbeit mit syrischen Flüchtlingskindern in Gaziantep in der Türkei.

Der erste Unter­richt nach lan­ger Zeit

Der erste Unter­richt nach lan­ger Zeit

Yasin Adigüzel war drei Monate als Mitarbeiter vor Ort und hat mit uns seine Eindrücke und Gedanken geteilt:

„Eigentlich bewegen sie mich schon, so lange ich denken kann – die Fragen nach Gerechtigkeit, nach einem guten Umgang mit Besitz und nach meiner Verantwortung für die Elenden in dieser Welt. Doch hier in Gaziantep, einer türkischen Stadt unweit der syrischen Grenze, werden sie mir unerträglich. Seit einem Monat befinde ich mich nun hier und versuche zu helfen. Auf wundersame Weise hatte ich von der Leiterin eines Schulprojekts unter syrischen Flüchtlingskindern erfahren, die aus unerklärlichen Gründen des Landes verwiesen worden war. Ihre Geschichte und das Schicksal der Flüchtlinge haben mein Herz angerührt und so bin ich am 11. März 2014 hierher aufgebrochen, um vorübergehend ihren Platz einzunehmen.

Seit 2011 tobt in Syrien ein schrecklicher Bürgerkrieg. Wie immer sind es die Armen und Wehrlosen, die es am härtesten trifft. 2,6 Millionen Menschen sind als Flüchtlinge außerhalb des Landes registriert. [1] Wieviel höher die Dunkelziffer ist, kann niemand genau sagen. Die Geschichten, die sie erzählen, sind so abscheulich und grausam, dass mir vom Zuhören schlecht wird. Hier in der Türkei haben viele in einem der zahlreichen Flüchtlingslager Platz gefunden. Doch die meisten müssen in Städten wie Gaziantep auf die Mildtätigkeit der Bewohner hoffen.

Im neuen Klassenraum

Im neuen Klassenraum

In unserem durch deutsche Spenden finanzierten Schulprojekt sind vier syrische Studenten, selbst Flüchtlinge, die ihr Studium aufgrund des Krieges abbrechen mussten, als Lehrer angestellt. Dadurch haben sie eine Aufgabe und ein geringes Einkommen, um sich zu versorgen. Und alles dreht sich um 25 kleine Geschöpfe, unsere Schulkinder. Sie kommen manchmal schon eine Stunde vor Unterrichtsbeginn, sitzen still auf ihren Stühlen und warten, bis es losgeht. Wir versuchen ihnen Lesen und Schreiben, Rechnen und Malen beizubringen. Und jeden Tag gibt es eine warme Mahlzeit für alle.

Wenn die Kleinen singen und lachen, wenn sie alles um sich herum vergessen und voller Stolz die selbstgemalten Bilder zeigen, dann verwandelt sich dieser Ort in ein kleines Paradies.

Wenn die Klei­nen sin­gen und lachen, wenn sie alles um sich herum ver­ges­sen und vol­ler Stolz die selbst­ge­mal­ten Bil­der zei­gen, dann ver­wan­delt sich die­ser Ort in ein klei­nes Paradies.

Wenn die Klei­nen sin­gen und lachen, wenn sie alles um sich herum ver­ges­sen und vol­ler Stolz die selbst­ge­mal­ten Bil­der zei­gen, dann ver­wan­delt sich die­ser Ort in ein klei­nes Paradies.

Eigentlich ist unsere Schule nicht mehr als eine ärmliche Mietwohnung. Die Farbe blättert von den Wänden. Sechs Klapptische, Plastikstühle. Doch das ist nicht wichtig. Wenn die Kleinen singen und lachen, wenn sie alles um sich herum vergessen und voller Stolz die selbstgemalten Bilder zeigen, dann verwandelt sich dieser Ort in ein kleines Paradies. Hier dürfen sie einfach Kind sein. In diesen Momenten bin ich einfach glücklich und dankbar, dass ich hier sein darf.

Doch dann klingelt es an der Tür. Beinahe täglich kommen Menschen, fragen ob wir etwas zu Essen oder vielleicht sogar eine Decke haben. Eltern bitten, dass ihre Kinder auch in unsere Schule kommen dürfen, doch wir können einfach nicht noch mehr aufnehmen. Sie betteln, flehen, werden laut.

Die maßlose Not, die es überall um unsere Schule herum gibt, übersteigt mein Fassungsvermögen. Zerlumpte Kinder durchsuchen Mülltonnen nach etwas Essbarem. An kalten Tagen stehen Menschen dicht gedrängt um eine Tonne, in der sie verbrennen, was sich an Brennstoffen finden lässt. Dann legt sich eine tiefe Traurigkeit auf meine Seele. Ich sehe diese kleinen, verletzlichen, wunderschönen Geschöpfe an, wie sie auf ihren Stühlen herumturnen, und verliere die Hoffnung. Die Schule und all unsere Anstrengung kommen mir dann lächerlich vor. Voller Verzweiflung bete ich für Frieden in Syrien, damit sie endlich nach Hause gehen können.

Ich verstehe nicht, wie Gott das zulassen kann. Für ihn wäre es ja ein Leichtes, in einem einzigen Augenblick allumfassenden Frieden zu schenken und doch tut er es nicht. Trotzdem will ich nicht klagen und hadern, sondern mutig das Meine tun, ob durch tätige Liebe oder Worte der Erbauung. Gott kennt ja unsere Angst und alle Schlechtigkeit in und um uns sehr genau. Davon, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, bin ich überzeugt. Das Reich, von dem Jesus berichtet, ist nicht von dieser Welt. (Nach Joh 18,36) Es wird eine Zeit kommen, da endlich alles gut sein wird.

Mit dieser Perspektive können wir allem Übel getrost entgegentreten. ‚Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.‘ (1Kor 13,13)“

Spenden sind auch online möglich! Mehr unter www.cvjm.de/spenden/

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[1] https://data.unhcr.org/syrianrefugees/regional.php; Zugriff am 02.04.2014.