Statements einzelner Teilnehmer der Delagationsreise nach China

Nach der massiven Verfolgung der Christen in Zeiten der Kulturrevolution ist es bemerkenswert, wie weit heute die Betätigungsmöglichkeiten der Kirchen und des YMCA sind. Es ist wunderbar, dass nicht nur die chinesische Wirtschaft wächst, sondern auch die christlichen Kirchen eine sprunghafte Zunahme ihrer Mitgliederzahlen haben. Besonders bemerkenswert ist es, dass einzelne Aktivitäten vom Staat gefördert werden. (Dr. Günther Beckstein)

„Mich hat überrascht, wie selbstkritisch die Chinesen und auch ihre Regierungsbehörden die atemberaubende Entwicklung Chinas sehen – und dass sie nun nach Werten und Sozialem suchen. Mir wurde deutlich, dass sie noch nicht wissen, welche Werte wirklich tragen und wie das Soziale aussehen könnte, aber faszinierend war schon, wie experimentierfreudig sie da suchen.“
„Der spannendste Satz war für mich von einem Regierungsvertreter in der Religionsbehörde: ‚Wenn Glaube hilft, dass Leute von Drogen loskommen, ist es doch gut.‘ Das ist reiner Pragmatismus, aber verständlich – und er eröffnet viele Spielräume, die es nun von Seiten der Kirchen und ihrer sozialen Einrichtungen verantwortungsvoll zu nutzen gilt.“
„Das fantastische Wachstum der Kirchen-Gemeinden hat mich natürlich auch beeindruckt. 6-8 Gottesdienste pro Kirche am Sonntag mit durchschnittlich je 1.000 Besuchern, das zeigt, wie wertvoll der christliche Glaube den Menschen in China wird. Hier sind die Hauskirchen im Untergrund noch gar nicht mitgerechnet, die noch einmal ein Vielfaches von Menschen anziehen.“ (Dr. Jürgen Körnlein, Evang.-Luth. Stadtdekan)

Obwohl ich schon häufiger in China war, hat die CVJM-Reise mir deutlicher als je vor Augen geführt, dass sich dieses riesige Land in den vergangenen 30 Jahren – damals ließ die Kommunistische Partei kapitalistisches Wirtschaften zu – so rasant entwickelt hat wie kein anderes. Doch wirtschaftlicher Erfolg bedeutet nicht, dass die Lösung der gesellschaftlichen Probleme Schritt halten kann – im Gegenteil: gerade im sozialen Bereich sind große Defizite unverkennbar. Fragen wie Erziehung, Schulbildung, Pflege von alten und behinderten Menschen, aber auch Wertevermittlung stehen oben auf der Agenda des Einparteienstaats. Umso beeindruckender war für mich bei der Reise, wie offen und ernsthaft die Probleme in zahlreichen Gesprächen mit Sozial- und Religionsexperten benannt wurden und mit welch großem Interesse die Meinungen und Ideen der Nürnberger Delegationsmitglieder gehört, ja erfragt wurden. Besonders erfreulich ist aus Sicht der Region Nürnberg, die bereits seit 1997 eine enge Partnerschaft zu Shenzhen unterhält, dass die „soziale Frage“ zukünftig auch im jährlich neu verhandelten Arbeitsprogramm zwischen Shenzhen und unserer Region aufgenommen wird. (Dr. Norbert Schürgers, Leiter Amt für internationale Beziehungen)

Vor drei Jahren war ich das erste Mal in Peking. Fasziniert habe ich vor dem Hintergrund der damaligen Erfahrungen eine rasante Entwicklung, Liberalisierung und auch ‚Verwestlichung‘ feststellen können. Sehr überraschend waren für mich die hohe Attraktivität, gesellschaftliche Akzeptanz und der Umfang des Zustroms an Menschen in die christlichen Kirchen. Der eng mit der Kirche zusammen arbeitende YMCA ist seiner Sozialen Arbeit und auch im Bildungsbereich mit differenzierten Programmen breit aufgestellt und staatlich hoch akzeptiert. Damit unterstützt er die Liberalisierung der Gesellschaft. Zu bedenken gilt es sicherlich aber auch, wie innerhalb eines politisch autoritären Systems eine NGO wirklich die Freiheit hat, Widersprüche in der Gesellschaft aufzudecken, zu benennen und in Grenzsituationen den Staat auch zu kritisieren. Damit bleibt für mich folgende Frage: Verändern bzw. liberalisieren oder stabilisieren NGOs wie der YMCA oder die Kirche die Veränderung eines autoritären Staates wie China, dessen Politik in vielerlei Hinsicht für uns ja inakzeptabel ist? (Prof. Dr. Joachim König, Evangelische Hochschule)

Chinesische Schüler werden in der Schule dazu angehalten, eine Unmenge an Unterrichtsstoff zu lernen, während wir in Deutschland eine Entschlackung der Lehrpläne zu Gunsten differenzierter und dialogischer Auseinandersetzung mit Inhalten fordern. Ich traf etliche gut ausgebildete und kompetente Studenten, die sich ihrer Leistungsfähigkeit nicht wirklich bewusst waren, zurückhaltend und unsicher wirkten. … Aus meiner Sicht als Lehrer zielt der Unterricht in Deutschland auf die Ausbildung einer selbstreflektierten, eigenständigen, kritischen und sozial-verantwortlichen Persönlichkeit. … Der Vergleich mit China kann dazu verleiten, den Bezug zu den eigenen humanen und kulturellen Traditionen durch diese verengte Perspektive auf wirtschaftlichen Erfolg zu verlieren. Religiöse Erziehung darf sich durch den einseitigen Blick auf Erfolg nicht blenden lassen. (Reiner Geißdörfer, Direktor des Wilhelm-Löhe-Gymnasiums)

Zwischen dem YMCA von Hong Kong und Guangzhou und dem CVJM in Nürnberg sind durch gegenseitige Besuche und Gegenbesuche bereits viele freundschaftliche Beziehungen gewachsen. Dadurch waren wir in Hong Kong und Guangzhou nicht zu Gast bei Fremden, sondern bei Freunden. Freunde, die sich gegenseitig inspirieren und die gerade durch die unterschiedliche Kultur und Erfahrungshintergründe viel voneinander lernen. In Shenzhen wurde die Delegation von Herrn Dr. Schürgers in eine bestehende Freundschaft zwischen den zwei Partnerstädten mit hineingenommen. Hier war für mich besonders beeindruckend, dass auf Grund der vertrauensvollen Beziehungen auch über Probleme im sozialen Bereich offen geredet werden konnte. Wie im wirtschaftlichen Bereich will Shenzhen auch hier von anderen lernen. Daher wird in Zukunft ein Austausch im sozialen Bereich zwischen den Partnerstädten angestrebt. (Dr. Reinhard Prechtel, 1. Vorsitzender CVJM Nürnberg e.V.)

Ich bin dabei, mein Chinabild neu zu sortieren. China ist so anders als ich dachte, und ich dachte, ich wüsste wie es ist. Ich dachte China ist groß, aber es ist noch viel größer. Die Hochhäuser sind noch gigantischer, das Tempo der Modernisierung ist noch viel atemberaubender, die jungen Leute geben sich noch viel westlicher als ich es mir vorstellen konnte. Aber da sind auch die Diskrepanzen in der Gesellschaft, die wohl auch noch anwachsen, wohl noch mehr in den ländlichen Provinzen, in die wir gar nicht kamen. Aber es reicht auch schon das Tophotel in Shenzhen und die Arbeiterunterkünfte daneben, die glänzenden Shopping Malls und die kleinen grauen Häuschen in den Gässchen gleich nebenan, die Arbeitsbienen mit ihren Niedriglöhnen, der Smog in Peking wo die Stadt doch bei Sonne so schön sein kann – und das sind nur ein paar der Gegensätze, mit denen das Land klarkommen muss. Und in all dem haben wir einen YMCA erlebt, der voller Herzlichkeit und Gastfreundschaft ist, voller Dynamik und voller Bereitschaft, seiner Gesellschaft zu dienen – to serve, not to be served – sich den sozialen Herausforderungen zu stellen und seinen Part dabei auszuweiten, und seine christliche Grundlage immer mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Weil wir Christen sind, dienen wir der Gesellschaft – hier wie dort. Weil wir Christen sind, soll auch der einzelne nicht übersehen werden. Weil wir Christen sind, bilden wir ein Team, das etwas bewegen kann. Dass wir dazu unseren Beitrag leisten können, ist hoch bewegend. In aller Unterschiedlichkeit unserer Arbeitsformen sind wir gemeinsam auf dem Weg. Das ist einfach schön. Und die Reise mit dieser Gruppe erleben zu dürfen, war noch einmal genau so schön. Eine derartige Vielfalt an Kompetenz von durch die Bank sehr netten und profilierten Persönlichkeiten war eine echte Bereicherung und die CVJMer, vor allem auch unsere jungen Vorstandsmitglieder, haben dabei keine schlechte Figur abgegeben. Weiter so! (Peter Scharrer, Gymnasialdirektor a.D., Vorsitzender des CVJM-Beirates)

Überraschend war für mich, an vielen Stellen in China so deutlich und ehrlich zu hören war, dass „wir Probleme im Sozialen haben“. … Besonders beeindruckt hat mich, wie intensiv die Menschen in chinesischen Gottesdiensten dabei sind. Ich bin gespannt, wie die christliche Glaubensgemeinschaft in China ansteckend wirken kann und ihr Dienen der Gesellschaft ein Zeichen von Gottes Liebe für den Menschen wird und in Zukunft eine Weltgesellschaft verändern wird. (Thomas Bärthlein, Rummelsberger Diakonie)

In sechs Stichworten kann ich meine ersten Eindrücke von dieser Reise zusammen fassen: Freunde treffen – Fremdes wahrnehmen – Vertrauen entwickeln – Armut sehen – Reichtum entdecken – sich von Vielfalt und Schönheit überraschen lassen. (Sabine Kurrer, Schulpsychologin, ehrenamtliche Leiterin des CVJM-Familienbereiches)

Die Begegnung mit dem Land, das sich im Aufbruch und großer Veränderung befindet, ist äußerst eindrucksvoll. Da sich die Stationen der Reise auf die Großstädte konzentrierten, ist die Situation der extrem wachsenden Städte deutlich vor Augen. Mich hat besonders die Suche nach Werten, die an vielen Stellen wahrnehmbar ist, beeindruckt. Verantwortungsbewusste chinesische Frauen und Männer suchen nach Orientierung für ihre eigene Vorstellung von gelingendem Leben, insbesondere auch für die Kinder. Der Bildungshunger und die Bereitschaft zur Qualifizierung sind sehr gegenwärtig. Gleichzeitig kam auch immer wieder einmal zur Sprache, dass die Entwicklung einer Persönlichkeit auch von anderen Faktoren abhängt. Ich fest davon überzeugt, dass die Angebote des YMCA an dieser Stelle christlich fundierte Orientierung geben. (Prof. Dr. Barbara Städtler-Mach, Evangelische Hochschule Nürnberg)

China ist ein faszinierendes und in vielen Aspekten fremdartiges Land. Die Delegationsreise war sehr gut organisiert – wir wurden freundschaftlich in die Gemeinschaft der Delegation aufgenommen. Besonders beeindruckt bin ich vom Netzwerk der weltweiten YMCA/CVJM-Gemeinschaft und insbesondere der Zusammenarbeit zwischen Nürnberg und den YMCA -Partnern in Honkong, Guangzhou und Beijing. Hier wird mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln und großem persönlichen Einsatz eine Brücke zwischen Deutschland und Fernost geschlagen. Der kulturelle, soziale, religiöse und in Ansätzen auch politische Austausch ist für beide Seiten gewinnbringend. Wir danken dem CVJM für die Gelegenheit an der Reise teilnehmen zu dürfen und freuen uns für die Kontakte, besonders zu den Hochschulen, die wir nun weiterführen können. (Kurt Füglein, Kanzler Evangelische Hochschule)

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