Die erste Woche pures Hongkong

Gerade einmal eine Woche ist es her seitdem ich in Hongkong angekommen bin. Wenn ich von meinem Bauchgefühl ausgehen würde, hätte ich locker ein Monat gesagt. Im Gegensatz zu Deutschland ist Hongkong einfach nicht still, nicht langsam und definitiv nicht mit viel Platz ausgestattet. Man sieht, hört, riecht, ja man erlebt so viel mehr als man es in Deutschland gewohnt ist. Aber genau, das macht Hongkong aus! Das nie stillstehende „Städtchen“ mit so viel Leben, mit seinen Menschen und mit seinen Gerüchen, nicht umsonst heißt Hongkong übersetzt „duftender Hafen“.
Glücklicherweise konnte ich durch den Hongkong Austausch im letzten Jahr schon viele Erfahrungen in Hongkong sammeln und so sind mir viele Dinge einerseits schon bekannt bzw. nicht mehr so schockierend. Dennoch, dass ich hier nun für zehn Monate leben werde, ist für mich immer noch so unglaublich wie für ein Kind ein Löwe, der durch einen brennenden Reifen springt.
Aber kommen wir erst einmal zu den Dingen, die sich in der letzten Woche ereignet haben, bevor wir in die Zukunft erblicken. Von meinem ersten Tag in Hongkong habe ich ja schon erzählt. Am nächsten Morgen bin ich, anstatt wie geplant um 9 Uhr, um 12 Uhr aufgestanden. Das war für meinen Jetlag natürlich nicht wirklich förderlich. Nachdem es zu spät für das Frühstück war, sind Miguel und ich mit den Coupons die von den vorherigen Voluntären übrig geblieben sind in die Cafeteria gegangen. Das Essen ist dort eher schlicht und chinesisch, also Reis, Sojabohnen, Hühnchen und dieses grüne, bei Chinesen sehr beliebte Grünzeug. Danach ging es ab zu Eric um mit ihm das Programm für unser freiwilliges soziales Jahr durchzugehen. Er erzählte uns, dass wir zweimal pro Woche zu einer Secondary School, einmal pro Woche in eine Primary, zweimal ins Office und einmal ein „Spezialprogramm“ haben. Dieses findet für mich jeden Samstag im Hin-Wan-Center statt und ist ein Englischunterricht für acht 4-6 Jährige. Miguel hat ein anderes „Special“, denn er geht jeden Freitag, nach dem Office direkt zur St. Paul, einer sehr angesehenen Schule und unterrichtet dort Deutsch.
Wie mein Schedule aussieht, könnt ihr hier sehen:

Ich muss gestehen, dass ich zu Anfang von alledem nicht sehr begeistert war, denn Miguel und ich arbeiten nicht gemeinsam, sondern getrennt. Esther, die für uns hier in Hongkong eigentlich zuständig ist, mir zugesichert hat, dass wir zu Anfang zusammenarbeiten werden und dann später erst getrennt werden. Tja, das war dann doch irgendwie nicht so der Fall :D
Naja aber jetzt habe ich mich doch eigentlich damit abgefunden.
Candy, Renee & ich :)
Während der Arbeit wurde ich von Renee angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte mit ihnen am Abend  essen zu gehen. Natürlich habe ich sofort zugestimmt und wir haben uns direkt nach der Arbeit vor dem CYMCA getroffen. Dieser liegt sehr zentral und so konnten wir in der Innenstadt umher marschieren um nach einem Restaurant zu suchen. Wir wurden auch sehr schnell fündig, denn nahe der Jordan Station gab es ein thailändisches Restaurant. Mein zweiter Tag in Hongkong und immer noch kein typisches
Hongkong Essen T^T … Aber es war sehr lecker und schön die beiden wieder zu treffen! Jedoch ist es mir schon ein wenig unangenehm, dass sie mir das Essen bezahlt (!) und mir nachträglich zum Geburtstag ein Geschenk gegeben haben (!!). Ich bin Ihnen so dankbar für diesen echt schönen und lustigen Abend und werde mich auf jeden Fall in irgendeiner Weise dafür revanchieren! :)
Am nächsten Tag habe ich mir extra vorgenommen um 9 Uhr aufzustehen um meinem Schlafrhytmus an die Zeitumstellung zu gewöhnen. Erfolgreich habe ich mich um 9 Uhr aus meinem Hochbett gequält und habe angefangen meinen letzten Blogpost zu schreiben. Ja richtig gehört: Hochbett :D Ich habe mich nach 1,5 Wochen immer noch nicht daran gewöhnt und habe auch noch keine schöne Hoch- & Runterkletter-Lösung gefunden. Ich bin mir nicht sicher ob die Treppe für eine etwas größer gewachsene Deutsche konzipiert wurde… im Moment bin ich noch kein flinkes Äffchen, sondern eher wie eine lahme Seekuh :D
Nachdem ich dann mit Blog schreiben fertig war, ging es um 14.30 zu Eric. Dort haben wir dann unseren Wochenplan erstellt. Am Abend ging es dann zu einem chinesischen Restaurant um der Ecke von unserem Office und haben dort leckeren Fried Rice mit Chicken gegessen. Da unsere MTR Station, direkt an einer Shopping Mall liegt bzw. man direkt am Ma On Shan Plaza rauskommt, sind wir noch schnell zum Supermarkt und haben  uns für die nächsten Tage etwas zu Essen gekauft. Leider wusste Eric nämlich nicht, dass in unserem Vertrag steht, dass unser Essen auch gezahlt wird, da aber Michael im Urlaub und somit nicht erreichbar war, mussten wir uns das Essen selber kaufen.
Jetzt (Mitte dieser Woche 11. – 12.9.) wurde dieses Problem endlich geklärt, jedoch kriegen wir nur teilweise Essen, daher müssen wir uns den Großteil trotzdem kaufen.
Die Primary School
Am Freitag ging es nach dem Office zum ersten Mal zur Orientierung in die Primary School, wo wir ab dem 9.September schon loslegen werden. Diese heißt Island Christian Academy und ist eine Internationale Schule, in der Kinder aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt zusammen kommen um zu lernen. Dort wurden wir rumgeführt und lernten auch Pamela und Frau Marks kennen, letztere ist die Lehrerin unserer zu betreuenden Klasse. Sie war sehr freundlich und Pamela erklärte unseren Aufgabenbereich. In dieser Klasse gibt es ein Mädchen namens Celia, das aufgrund einer Behinderung nicht richtig laufen kann und wir sollen besonders auf sie, aber auch auf die anderen Schüler achten. Beschwingt und glücklich über all diese kleinen Kinder unterschiedlichen Ursprungs ging es ab nach Hause.
Nach dieser doch sehr ereignisreichen Woche gab es für mich am Samstag dennoch keine Pause, denn für mein Spezialprogramm, welches ich oben schon erwähnt habe, musste ich um 7 Uhr aufstehen, da ich mich mit Bonnie am Wu Kai Sha Office treffen sollte. An diesem Tag gab es aber in Wu Kai Sha ein Female-Group-Leader-Contest. Das bedeutet, dass in unserem ganzen Camp tausende von chinesischen Damen im gleichen Kostüm, pinkes Polo-Oberteil mit blauer Stoffhose, unterwegs waren und somit war es gar nicht so einfach Bonnie ausfindig zu machen. Als wir uns endlich gefunden hatten, machten wir uns gleich auf den Weg zum Hin-Wan-Center. Um dorthin zu kommen muss man einen sogenannten Minibus nehmen und das ist wirklich ein Abenteuer! :D Diese haben zwar angeblich eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h, sowie eine Anzeige auf der man die derzeitige Geschwindigkeit des Busses ablesen kann, jedoch muss man in einer Kurve bei gut 30 km/h (laut Anzeigetafel) schon aufpassen, dass man nicht von seinem Sitz rutscht. Schon allein der Fahrstil der Minibus-Fahrer. Da kann einem doch Angst und Bang werden. Ich war noch nie so glücklich über die Erfindung des Gurtes! Interessant ist, dass ich die Einzige bin, die diese benutzt. Tja, noch typisch Deutsch :D
Nachdem wir die Fahrt überstanden hatten, mussten wir nur noch ein kleines Stück laufen. Endlich an unserem Ziel angekommen, ging auch die Englisch Stunde schon los und ich durfte in meinem zukünftigen Arbeitsbereich reinschnuppern. Es sind acht Kleinkinder im Alter von 4 bis 6 Jahren, die auf winzigen, bunten Stühlen im Kreis sitzen und mehr oder weniger aufmerksam zuhören. Der Englischunterricht geht nur eine Stunde, die restlichen zwei Stunden sind für das Vorbereiten der nächsten Stunde gedacht.  Als ich mit der Vorbereitung fertig war,  nahm mich Bonnie mit zu einem Malaysischen Rastaurant. Das Essen war sehr , sehr lecker. Für mich gab es Reis, Hühnchen und Gemüse, außerdem eine sehr cremige Suppe, die wahrscheinlich aus Mais hergestellt wurde… aber so sicher bin ich mir da nicht.. xD Es war auf jeden Fall alles sehr lecker. Danach begleitete sie mich noch bis zum Wu kai Sha und verabschiedete mich dort. Ich habe schnell meine schweren Sachen, wie Laptop, abgelegt und bin dann schon wieder los um Renee in Tuen Mun zu treffen. Über eine Stunde hat die Fahrt gedauert, aber sie hat sich rückblickend definitiv gelohnt. Wir waren in einem sehr schön angelegten Park  mit ganz vielen schönen Blumen und Pavillionen, außerdem gab es einen Straßenkünstler, der die Schriftzeichen in Schönschrift mit einem Schwamm und Wasser auf den Boden schrieb. Auch gab es ein kleines Museum über Reptilien, Schlangen und Schildkröten das sehr interessant aber auch lustig war, da die Tiere sich in ihrem Käfig versteckt hatten und wir nach ihnen Ausschau gehalten haben.
Danach haben wir einen Bus genommen und sind an den Strand gefahren. Es war schon nach 18 Uhr und die Sonne war schon halb untergangen. Es war eine sehr schöne Atmosphäre mit dem Strand, dem Meer und trotzdem die blinkenden Lichtern von den Hochhäusern aus der Ferne zu beobachten. Danach sind wir an den Stränden entlang gelaufen, haben geredet und Renee konnte mir auf dem Rückweg zu der LRT (Light Rail Transit, eine Art von Straßenbahn) ihre alte Wohnung, sowie ihre alten Schulen zeigen. :)
Noch ein Bild vom Park
Renee & ich im Park
Noch eins vom Park
Der Golden Beach...
....auch bei Nacht
Jackie & ich vor der HK Skyline

Und am Sonntag war ich dann mit Jacky in Hongkong unterwegs, also auch keine wirkliche Verschnaufpause, denn er hatte sich eine kleine Citytour überlegt. Zuerst waren wir essen und haben anschließend Egg cake und Fish balls gegessen. Keine Angst, es schmeckt nicht so komisch wie es klingt. Es sind kleine Kugeln, die ganz aus Fisch bestehen aber nicht danach aussehen. Diese spießt man mit Stocher auf und kann sie dann ganz einfach essen…. Wenn sie nicht zu heiß sind. Ich habe mir doch tatsächlich den Mund ein wenig verbrannt gehabt :/. Die Tour von Jacky bestand aus verschiedenen Sehenswürdigkeiten, unter anderem:
-    Die Avenue of Stars: Ein Weg entlang der Promenade, in dem zu Ehren vieler berühmter Hongkonger Schauspieler Sterne mit dem jeweiligen Namen eingelassen wurde. Auch konnten diese ihre Sterne mit Handabdruck oder Unterschrift verzieren. Dort gibt es einen Stern für Jackie Chan oder Bruce Lee.
-    Tsim Sha Tsui Promenade: Von diesem Platz aus hat man einen unglaublichen Blick auf die Hongkonger Skyline.
-    Clock Tower: Dieser wird von vielen Hongkongern als der zweite Big Ben bezeichnet. Er wurde um die Zeit der Kolonialherrschaft der Briten gebaut und sollte mit dem dazugehörigen Bahnhof abgerissen werden, jedoch gab es Proteste und so „überlebte“ nur der Clock Tower.
-    Star Ferry: Wie der englische Name schon sagt, das ist eine Fähre. Aber nicht irgendeine, nein das wäre ja langweilig. Diese Gesellschaft gibt es schon seit 1888 und hieß damals noch Kowloon Ferry bis sie sich 10 Jahre später zu dem Namen Star Ferry umbenennt. Diese weiß-grünen Fähren bringen die Menschen schon seit damals wie heute schnell über den Victoria Harbour, also von Kowloon zu Hongkong Island und zurück.

Ich auf der Star Ferry
Ich vor dem Glockenturm
hier sieht man Jackie Chans Stern - Avenue of Stars


Egg Tart! :3
Auf Hongkong Island haben wir dann ein Cafe gesucht, in dem wir dann Egg Tarts gekauft haben. Das ist zum einen Teil süßer Teig, der wie ein kleine Schüssel geformt ist, und in dieses Schälchen kann man das Eigelb hineingießen, das dann fest wird. Eine interessante Kombination, die unglaublich gut schmeckt :3
 Danach haben wir uns langsam auf den Weg nach Hause gemacht und kamen so an einer Unfallstelle vorbei in dem anscheinend ein Taxi, ein Bus und ein normales Auto beteiligt waren. Aber anstatt auf die Seite zu fahren, damit die anderen Autos weiterfahren können, saß der Taxifahrer gelassen, mit einer Zigarette in der Hand auf der Straße und wartete auf die Polizei. Jackys Vermutung war, dass der Taxifahrer dem Bus die Schuld an dem Unfall gab und damit dieser nicht wegfahren kann, hat er einfach die Straße während der Rush Hour blockiert.
Schon eine kleine, verrückte, aber liebenswerte Stadt Hongkong doch ist und ich bin mitten drin…