In Guangzhou durchgestartet

Wir sind in Guangzhou! Kaum zu glauben aber wir sind schon 10 Tage unterwegs. Es fühlt sich definitiv an wie vielleicht ein bis zwei Tage. Aber der Reihe nach:

Wie ihr im letzten Blog schon lesen konntet, hatten wir den kompletten Freitag frei! Es gab einige Angebote, wovon eines der klare Sieger war: der Besuch der 10.000 Buddhas und eines alten, chinesischen Gartens. So machten sich alle auf den Weg in die Stadt. Alle? Nein – ein unbeugsamen Pärchen hielt im Camp notgedrungen die Stellung. Das sollte leider auch nicht der letzte gezwungene Campaufenthalt werden. Über das Wochenende plagten sowohl Mitarbeiter als auch Teilnehmer verschiedene Blessuren. Von geschwollenen Knöcheln über hartnäckige Erkältungen bis hin zu Rückenschmerzen hatten wir alles dabei. Teilweise blieben sogar fünf Leute gleichzeitig daheim. Das hatte zur Folge, dass wir stark dezimiert zu verschiedenen Aktionen aufbrechen mussten. (Vorweg: Keine Sorge – wir sind alle mittlerweile auf dem Weg der Besserung!).

Der Freitagabend: Abend-Devotion vor Skyline-Kulisse

Schon lange hatten wir am Abend mal eine Gemeinschaftsaktion vor. Am Abend kam es dann endlich dazu: der Besuch auf dem schönsten Aussichtspunkt auf die Hongkonger Skyline im Hafen – dem Victoria’s Peak. Kurz entschlossen verlegten wir unseren Abendabschluss ebenfalls nach oben und hatten gute Gespräche und ernteten verblüffte Blicke der Hong Kong-ChinesenJ

Der Samstagvormittag: Schule in China

Aufgrund der Prüfungszeit in den Hong Konger Schulen hatten wir leider keine Möglichkeit unter der Woche den Unterricht zu Besuchen (das wird sich diese Woche in Guangzhou ändern). Am Samstag war es dann endlich soweit und das YMCA-College lud uns zu einer Tour durch ihre Schule ein. Anschließend durfte unsere Gruppe endlich einmal die vorbereiteten Programmpunkte „auspacken“. Nach der Vorstellung des deutschen Schulsystems samt Schulanfangsbildern und Eindrücken aus den verschiedenen Schulen unserer Teilnehmer, entführten wir unsere Partnergruppe in ein Experiment: ein Planspiel.

Wir wurden in verschiedene Interessengruppen unterteilt. Es ging um die Entscheidung der Bebauung eines Grundstückes in Würzburg. Dabei kämpfte die „religious group“ mit der „economy-group“ um Einfluss bei den „citizens“, gutes Prestige bei den „journalists“ und möglichst wenige Verhaftung durch Willkür und Korruption bei der „police“. In einer packenden Stunde durften wir Ideen spinnen, Intrigen schmieden, Bestechen, Briefe schreiben und Argumente für unser Gebäude anhäufen, die schließlich der Bürgerversammlung vorgestellt wurden. Die Bewertung der letzten Entscheidung fiel sehr unterschiedlich ausJ Spannend war zu sehen, wie unsere chinesische Partnergruppe nach und nach in das Spiel fand und eigene Ideen beisteuerte. Viel Spaß und verrückte sowie unerwartete Spielsituationen sorgten für eine Menge Abwechslung. Experiment erfolgreich!

Der Samstagnachmittag: auch Hong Kong kann Fußball

Überraschend wurden wir vom CYMCA of Hongkong ins Fußballstadion zum Finale der Playoff-Spiele der Südasien-Meisterschaft eingeladen. Hong Kong spielte in Rot gegen einen japanischen Erstligisten (in blau). In unseren komplett in blau gehaltenen Touren-Shirts wirkten wir zumindest optisch etwas fehl am Platz auf der Heim-Tribüne. Akustisch konnten wir uns allerdings hören lassen! Teilweise übertönten wir sogar die Ultras auf der NebentribüneJ Unerbittlich brannte die Sonne auf uns nieder – und unerbittlich langweilig und schwerfällig bewegten sich die Spieler auf dem Grün. Am Ende kam aber doch noch Spannung auf, als es ins Elfmeterschießen ging & der Torhüter von Hong Kong 3 Elfmeter hielt und selbst noch einen verwandelte. Freudetrunken verließen wir das Stadion Richtung „Symphonie of Lights“ am Hafen – einer (kleinen) Licht- und Lasershow mit Hintergrundmusik.

Das sollte auch den Rahmen für unser bisheriges Low-Light bilden. Denn plötzlich kam es zu einem kleinen Tumult am Rande des Piers. Ein Betrunkener war ins Wasser gefallen. Nach kurzer Zeit wurde er von drei Helfern aus dem Wasser gefischt und versorgt. Der Rettungsdienst traf kurz danach ein und wir konnten uns zurückziehen. Da Einige unserer Gruppe in der direkten Nähe des „Schauplatzes“ standen, hinterließ die Situation noch tiefe Spuren und sorgte für einigen Gesprächs- und Nachbereitungs-Stoff am Abend.

Der Sonntag: IECC und Abschied

Der Aufbau des Gottesdienstes in der Island Evangelical Community Church ist schnell zusammengefasst: Lobpreis, Ansagen, Predigt, Gebet. Das Besondere: Die Kirche hat ihr zu Hause in einem 50-stöckigen glasverkleidetem Hochhaus auf 9 Stockwerken. Nachdem uns unsere reservierten Sitzplätze zugewiesen waren, mussten wir uns erst einmal umschauen. 8 Bildschirme, tausende Lichter und Boxen säumten die Decke. Die Bühne wurde größtenteils von einer Band eingenommen und die Stühle im Raum waren bis zum letzten Platz gefüllt. Kaum zu glauben, dass es so viele Menschen in den Gottesdienst zieht, dass fünf Stockwerke damit gefüllt werden könnten.

Nach dem Gottesdienst mit viel Musik und einer tiefgehender Predigt, gab uns einer der sieben Pastoren eine kurze Einführung in die Arbeit der IECC. Besonders hängen blieb der Wunsch, die Dinge nicht einfach nur irgendwie zu machen, sondern wirklich gut zu sein. Besonders deutlich wurde das an den Ansagen. Diese wurden nicht einfach nur per Mikrofon zu uns getragen, sondern jedes einzelnes noch so klein scheinendes Anliegen wurde mit einem kurzen Video-Clip eingeleitet.

Nach einem gemeinsamen Mittagsmahl fuhren wir zurück ins Camp, wo wir Zeit zum Packen und zur Vorbereitung des Kulturellen Abends mit unserer Partnergruppe hatten. Eingeleitet wurde dieser mit einem festlichen Abendessen, gefühlten 500 Selfies mit verschiedenen Utensilien (der Favorit: der Bier-Hut von „Löwenbräu“J) und den ersten Tränen des Abschiedes. Es folgte eines der Highlights unserer Reise: der erste kulturelle Abend. Jede Gruppe gab verschiedene Programme zum Besten. So bekamen wir einen Tanz und ein Theaterstück über das chinesische Neujahrs-Fest zu „Augen“. Wir trugen ein Quiz über die berühmtesten deutschen Persönlichkeiten oder das bekannte Spiel „Die Reise nach Hong Kong“ bei. Kaum fertig wurden viele Gastgeschenke und noch mehr Selfies verteilt. Die Stimmung war sowohl von Freude über die Gemeinschaft als natürlich auch von Trauer über den Abschied geprägt. Schließlich mussten uns die Hong Kong-Chinesen doch verlassen und wir genossen den Abend bis spät in die Nacht bei lustigen und ernsthaften Gesprächen.

Der Montag: Auf nach China!

Wieder Abschied – aber einer mit der Aussicht auf ein größeres Bett! Nach einer kurzen Devotion mit einem Impuls über Selbstannahme und Gottes Blick auf uns, packten wir die Koffer und nahmen unseren Coach Richtung chinesischer Grenze. Die hatten wir auch bald hinter uns und stiegen vor unserem Hotel aus. Unserem Hotel? Nein! Wir hatten doch tatsächlich dem Busfahrer die falsche Adresse gegeben und so verbrachten wir den Rest des Nachmittags damit, uns und unser Gepäck durch die U-Bahn Richtung Lobby zu ziehen.

Dort erwartete uns ein herzlicher Empfang der Mitarbeiter vom YMCA Guangzhou. Anna und Kevin kümmerten sich rührend um uns und so konnten wir zügig unsere Doppelzimmer beziehen. Das Abendessen zählt mit Sicherheit zu einem der Highlights: Fleisch, soweit das Auge reicht, in ganzen Knoblauchzehen und Zwiebeln. Ein Festmahl!

Die Abend-Devotion in Englisch rundete den Tag ab. Nachdem die Lieder am Anfang der Reise noch zaghaft mitgesummt wurden, sangen wir aus ganzem Herzen den Dank auf diese geniale und gesegnete Zeit heraus. Das ist es auch, was jetzt noch nachhallt. Dankbarkeit und ein erfülltes Herz, herzlichste Begegnungen und jederzeit ein offenes Ohr in unserer und der chinesischen Partnergruppe. Wir hoffen auf mehr!

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